Der Artikel kompakt zusammengefasst
■ Digitalisierte Aufzüge entwickeln sich von reinen Transportmitteln zu integralen Bestandteilen adaptiver Gebäude. An die Stelle reaktiver Eingriffe tritt ein proaktiver Ansatz: Betreiber können Störungen oft verhindern, bevor sie auftreten.
■ Für Fachplaner bedeutet das: Aufzüge müssen heute nicht nur sicher und effizient sein, sondern auch intelligent, vernetzt und zukunftssicher. Digitale Lösungen begleiten und optimieren den gesamten Lebenszyklus.
Kone
Digitalisierung verändert die Infrastruktur unserer Gebäude grundlegend. Besonders sichtbar wird das bei Aufzügen: Was früher rein mechanisch war, ist heute ein intelligentes System mit Sensorik, Cloud-Anbindung und künstlicher Intelligenz. Daraus ergeben sich Vorteile in allen Phasen vom Neubau über die Modernisierung bis hin zum laufenden Service.
Remote Service ist die Antwort auf die steigenden Anforderungen an Verfügbarkeit, Sicherheit und Effizienz in modernen Gebäuden. Er ermöglicht (auch) die Fernüberwachung und -wartung von Aufzügen rund um die Uhr, ohne dass ein Techniker vor Ort sein muss. Sensoren erfassen kontinuierlich Betriebsdaten wie Auslastung, Geschwindigkeit oder Türbewegungen und senden diese in die Cloud. Dort analysieren Algorithmen die Daten und erkennen frühzeitig Abweichungen vom Normalbetrieb.
Die Kommunikation erfolgt direkt über eine Service-App oder ein Kundenportal, das den Zustand der Anlage transparent darstellt. Betreiber erhalten so eine Echtzeitübersicht über alle relevanten Parameter – von der Türbewegung bis zur Kabinengeschwindigkeit. Damit verändert sich der Betrieb von Aufzügen grundlegend: weg von reaktiven Eingriffen, hin zu einer kontinuierlich überwachten, vorausschauenden Betriebsweise.
Von der Planung bis zum Betrieb: Digitalisierung von Anfang an
Die Vorteile zeigen sich nicht nur im laufenden Betrieb. Schon im Neubau bietet Remote Service die Möglichkeit, digitale Wartungslösungen von Beginn an zu integrieren. Bereits in der Planungsphase können Sensorik, Cloud-Anbindung und Schnittstellen zu Gebäudemanagementsystemen berücksichtigt werden. Das spart später Aufwand, Kosten und schafft die Grundlage für einen zukunftssicheren Betrieb.
Für Architekten und Fachplaner bedeutet das: Die Auswahl eines Aufzugssystems sollte heute nicht nur nach Förderleistung und Design erfolgen, sondern auch nach digitaler Ausstattung und Integrationsfähigkeit. Remote Service ist dabei kein Add-on, sondern ein integraler Bestandteil moderner Gebäudetechnik.
Remote Service im Alltag
Wie digitale Wartung funktioniert, zeigt ein Blick in den Betrieb. In einem Wohngebäude registriert der Aufzug über die Cloud wiederholt Verzögerungen beim Schließen der Türen. Die Analyse durch das KI-System erkennt darin ein Muster und stuft die Störung als potenziell kritisch ein. Noch bevor es zu einem Ausfall kommt, erhält die Hausverwaltung automatisch eine Benachrichtigung, und die Instandsetzung wird rechtzeitig eingeplant.
Ein anderes Beispiel liefert ein Hotel mit starkem Gästeaufkommen. Dort identifiziert das System Überlastungen in Spitzenzeiten. Auf Basis der Daten werden Fahrten intelligenter verteilt und die Steuerung angepasst. Das Ergebnis: kürzere Wartezeiten, mehr Komfort und zugleich eine verlängerte Lebensdauer der Komponenten.
Die Beispiele zeigen: Remote Service reagiert nicht nur auf Probleme, sondern gestaltet den Betrieb aktiv mit.
Prädiktive Wartung: der Aufzug denkt mit
Während der klassische Remote Service Abweichungen erkennt und meldet, geht die prädiktive Wartung einen Schritt weiter. Mithilfe selbstlernender Algorithmen werden Betriebsdaten mit Referenzwerten ähnlicher Anlagen weltweit abgeglichen. Auf diese Weise lassen sich Muster erkennen, die auf eine bevorstehende Störung hinweisen – lange bevor sie den Betrieb unterbrechen.
Ein typisches Beispiel sind Aufzugtüren, die zu zittern beginnen und sich mehrfach öffnen und schließen, ehe die Anlage ganz zum Stillstand kommt. Früher wurde ein solches Problem erst dann sichtbar, wenn der Ausfall bereits eingetreten war. Heute kann es frühzeitig identifiziert und behoben werden. Der Nutzen ist klar belegt: Bei modernisierten Anlagen konnte Kone die Zahl der Ausfälle um mehr als 40 % senken.
Auch Bestandsanlagen profitieren: Durch die Nachrüstung mit Sensorik und Cloud-Anbindung lassen sich selbst ältere Aufzüge in digitale Servicekonzepte einbinden und so für künftige Anforderungen fit machen.
Sicherheit und Integration: Chancen und Pflichten
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Mit der zunehmenden Vernetzung wächst auch die Bedeutung der IT-Sicherheit. Aufzüge sind heute Teil digitaler Gebäudeinfrastrukturen mit Schnittstellen zur Cloud, zu mobilen Anwendungen und übergeordneten Steuerungssystemen. Damit steigt jedoch auch die Angriffsfläche: Manipulationen könnten im schlimmsten Fall Fehlfunktionen auslösen, etwa ein Aussetzen des Notrufs oder eine Fahrt mit offener Tür.
Um solche Risiken auszuschließen, setzt Kone auf eine moderne Sicherheitsarchitektur und ein eigenes Cyber-Response-Team, das potenzielle Bedrohungen kontinuierlich überwacht. Betreiber wiederum sind verpflichtet, regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen vorzunehmen und die digitalen Schnittstellen ihrer Anlagen systematisch zu prüfen. Orientierung bietet die Norm ISO 8102-20, die konkrete Anforderungen für den sicheren Betrieb vernetzter Aufzüge definiert.
Sobald diese Sicherheitsbasis geschaffen ist, eröffnen sich neue Möglichkeiten: Aufzüge können in Smart-Building-Konzepte integriert werden. Sie stehen dann in direkter Verbindung mit Managementsystemen, Zutrittskontrollen oder Energieoptimierungstools. Fahrten lassen sich priorisieren, wenn viele Personen gleichzeitig das Gebäude betreten, Störungen werden automatisch an das Gebäudemanagement gemeldet, und Echtzeitdaten können für Gebäudelogistik oder Evakuierungsszenarien genutzt werden. Aufzüge entwickeln sich damit von reinen Transportmitteln zu integralen Bestandteilen adaptiver Gebäude.
Facility Management und Zukunftssicherheit
Für Facility Manager bedeutet diese Entwicklung neue Rollen. An die Stelle reaktiver Eingriffe tritt ein proaktiver Ansatz: Betreiber können Störungen oft verhindern, bevor sie auftreten. Service-Apps liefern nicht nur Statusinformationen, sondern auch Prognosen zu Wartungsbedarf und Investitionen. Das Gebäudemanagement wird damit datenbasiert und strategisch ausgerichtet.
Gleichzeitig entstehen neue Pflichten: Ein oft unterschätzter Faktor sind die Mobilfunkstandards. Noch immer laufen zahlreiche Notrufsysteme über 2G, ein Netz, das im Juni 2028 abgeschaltet wird. Ohne rechtzeitige Umrüstung auf 4G droht der Ausfall dieser sicherheitskritischen Funktion mit erheblichen haftungsrechtlichen Konsequenzen.
Modernisierung rechtzeitig planen
Die prädiktive Wartung liefert nicht nur Echtzeitdaten, sondern auch Hinweise auf den Zustand einzelner Komponenten. So lässt sich der optimale Zeitpunkt für eine Modernisierung bestimmen, bevor es zu ungeplanten Ausfällen kommt. Typische Lebensdauern:
● Steuerung: ca. 20 Jahre
● Leistungselektronik: 15 bis 20 Jahre
● Türsysteme: ab 15 Jahren häufige Störquelle
Gerade bei Wohnhäusern empfiehlt sich spätestens nach 20 Jahren eine Modernisierungsplanung. In stark frequentierten Gebäuden wie Hotels oder Kliniken sollte dieser Zeitpunkt früher angesetzt werden. Die prädiktive Wartung unterstützt hier mit belastbaren Daten für die Budgetierung und technische Bewertung.
Remote Service schafft eine neue Basis
Am Ende zeigt sich: Remote Service ist mehr als ein technisches Feature. Es ist ein Paradigmenwechsel. Er verbindet den kompletten Lebenszyklus einer Aufzugsanlage: Im Neubau ermöglicht er eine zukunftssichere Planung, in der Modernisierung schafft er die Basis für digitale Nachrüstung und im Service sorgt er für maximale Verfügbarkeit und Transparenz.
Für Fachplaner bedeutet das: Aufzüge müssen heute nicht nur sicher und effizient sein, sondern auch intelligent, vernetzt und zukunftssicher. Wer heute plant, stellt die Weichen für morgen – mit digitalen Lösungen, die den gesamten Lebenszyklus begleiten.
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