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Kone analysierte 1,96 Milliarden Aufzugsfahrten, die das Unternehmen zwischen Juni 2025 und August 2026 in 18 europäischen Städten erfasst hat. Die Daten belegen einen strukturellen Nutzungswandel in Wohn- und Bürogebäuden. Für Eigentümer, Verwalter und Betreiber verschiebt sich damit die zentrale Aufgabe vom Neubau zur Modernisierung des Bestands.
Wohngebäude tragen Bürolasten
In Brüssel liegt die Aufzugsnutzung in Wohnhäusern mittags über der Pendlerspitze. 40 Prozent der werktäglichen Fahrten fallen zwischen 10 und 16 Uhr. Das Zuhause ist zum Arbeitsplatz geworden. In London finden 17 Prozent der Bürofahrten außerhalb der regulären Arbeitszeiten statt, der höchste Wert Europas. In Mailand sinkt die Aufzugsnutzung im August auf 47 Prozent eines Normalmonats.
Kone stellt damit die Frage, ob Gebäude, die einen Monat lang auf weniger als der halben Kapazität laufen, entsprechend gewartet, geheizt, gekühlt und bewirtschaftet werden oder unnötige Kosten und Emissionen tragen. Bis zu 95 Prozent des heutigen europäischen Gebäudebestands werden voraussichtlich auch 2050 noch genutzt. Die Aufgabe heißt damit Anpassung, nicht Neubau.
Deutsche Städte fordern den Betrieb anders
In Deutschland vollzieht sich derselbe Wandel in unterschiedlichem Tempo, mit unterschiedlichen Folgen für den Betrieb. Die drei größten im Datensatz vertretenen deutschen Städte fordern ihre Gebäude auf sehr verschiedene Weise.
Frankfurt läuft am gleichmäßigsten: Die Stadt weist von allen analysierten Städten die geringsten saisonalen Schwankungen auf. Die Differenz zwischen aktivstem und ruhigstem Monat macht weniger als die Hälfte des europäischen Normalwerts aus. Für Eigentümer und Verwalter entsteht daraus eine planbare Grundlast, an der sich Wartungsintervalle, Energieeinsatz und Personalplanung ausrichten lassen.
KONE Lift telemetry, 18 European cities, June 2025- August 2026 (1.93. Mrd. Fahrten)
Hamburg beansprucht seine Anlagen weit über die Bürozeiten hinaus: Der Aufzugsverkehr am Samstagabend liegt 21 Prozent über der durchschnittlichen nächtlichen Aktivität der Stadt und übertrifft das Freitagsniveau, während europaweit meist der Freitag die Spitze setzt. Wo Wohn- und Ausgehnutzung am Wochenende zusammenfallen, tragen die Anlagen Lasten, die eine reine Werktagsauslegung nicht abbildet.
München ist der Referenzfall: Die Stadt bildet den europäischen Durchschnitt am genauesten ab. Für Bestandshalter mit Portfolios in mehreren Märkten dient die Stadt als Referenz, um Beanspruchung und Modernisierungsbedarf anderswo einzuordnen.
Bestand muss sich anpassen
Für den Gebäudebetrieb ergibt sich damit ein klares Bild: Wohngebäude werden tagsüber zu Arbeitsplätzen, Bürogebäude bleiben über die Kernzeit hinaus aktiv, und die Auslastung ganzer Bestände schwankt im Jahresverlauf stärker, als es Wartungs-, Energie- und Bewirtschaftungskonzepte bislang abbilden. Kone hat dafür jede Fahrt zwischen den Etagen in cloudvernetzten Aufzügen gezählt und so die Verzerrungen umfragebasierter Erhebungen vermieden. Alle Fahrzeiten wurden vor der Analyse von UTC in die Ortszeit umgerechnet.
Die Büro- und Wohnmuster jeder Stadt wurden auf einen gemeinsamen europäischen Durchschnitt umgewichtet, damit die Ergebnisse das Verhalten der Städte widerspiegeln und nicht davon abhängen, welche Aufzüge überwacht wurden. Pro Stadt wurden 42 Verhaltenskennzahlen berechnet, aus denen 23 mögliche Persönlichkeiten definiert wurden.
Karla Lindahl, EVP für Europa bei Kone, erklärt: „Unsere neuesten Daten zeigen die vielfältigen Arten, wie Menschen Gebäude in europäischen Städten nutzen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie auf eine alte Gebäudeinfrastruktur angewiesen sind, von der der Großteil voraussichtlich auch im Jahr 2050 noch bestehen wird und die den sich ändernden Gewohnheiten gerecht werden muss. Unsere Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Gebäude zu modernisieren, um den Bewohnern weiterhin Sicherheit, Komfort und Effizienz zu bieten und dazu beizutragen, dass Städte auch in Zukunft funktionieren. Technologische Fortschritte ermöglichen weiterhin eine schnellere Modernisierung von Aufzügen in Gebäuden. Wir können die unverzichtbare Aufzugsinfrastruktur mittlerweile in nur einer Woche modernisieren, um Beeinträchtigungen zu minimieren und den Aktivitätsrhythmus der Städte aufrechtzuerhalten.“
Kone weist darauf hin, dass ausgewählte Modernisierungspakete in nur einer Woche installiert werden können. Dies ist jedoch abhängig vom Aufzugstyp, dem Umfang, den baulichen Gegebenheiten vor Ort und den örtlichen Genehmigungsvorschriften. Die Angabe bezieht sich auf die Installation des Upgrade-Pakets zur Elektrifizierung und Signalisierung, nicht auf das gesamte Projekt. Quelle: ar/ Kone