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Gebäudemodernisierungsgesetz

Biomethanbedarf für Bio-Treppe könnte Ange­bot über­steigen

Ralf Geithe – stock.adobe.com

Über die Bio-Treppe sollen neue Gas-Heizungen auch langfristig erlaubt sein. Eine EWI-Studie analysiert den Bedarf an Biomethan und das Potenzial.

Der Regierungsentwurf für das Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG, die 3. Lesung im Bundestag ist am 9. Juli 2026 geplant) erlaubt auch langfristig den Einbau und die Nutzung von Gas-Heizungen als alleinige Technologie für die Raumheizung und Trinkwassererwärmung – bei Einhaltung der sogenannten Bio-Treppe. Sie soll 2029/30 mit einem Anteil „grüner Gase“ von 10/15 % starten. Die 3. Stufe mit 30 % folgt 2035, die 4. Stufe mit 60 % ab 2040. Zur bilanziellen Erfüllung bei der Versorgung über die Erdgasinfrastruktur sind dafür im GModG-Entwurf Biomethan, biogenes Flüssiggas, Wasserstoff (grün, blau, orange, türkis) einschließlich daraus hergestellter Derivate vorgesehen.

„In Sichtweite“ ist zurzeit nur Biomethan. Bleibt das europäische Angebotspotenzial für Biomethan konstant, könnte die Nachfrage das Angebot übersteigen. Dann könnten sich ab dem Jahr 2040 Knappheitspreise bilden – vor allem, wenn bis dahin beim Einbau neuer Heizungen vermehrt auf Gas-Heizungen statt auf Wärmepumpen gesetzt wird.

Insgesamt ist es nicht ausreichend, auf das Angebot und die Nachfrage in Deutschland zu schauen. Da Biomethan physisch in das europaweite Erdgasnetz eingespeist und bilanziell über Zertifikate gehandelt wird, ist der Markt vorwiegend europäisch. Vor diesem Hintergrund hat ein Team des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) in der Publikation „Biomethan im deutschen Gebäudesektor“ die potenziellen Preisentwicklungen in Abhängigkeit der deutschen Nachfrage und des europäischen Angebotspotenzials bis zum Jahr 2045 analysiert. Die Publikation wurde von der Förderinitiative Wärmewende der Gesellschaft zur Förderung des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln gefördert.

Biomethannachfrage im Gebäudesektor

Aktuell wird Biomethan nur vereinzelt im Gebäudesektor verwendet. Die künftige Verwendung hängt maßgeblich von den Installationsraten neuer Gas-Heizungen sowie der Grüngasquote ab – also der Bio-Treppe für Neuinstallationen (verpflichtet ist hier der Gebäudeeigentümer / Heizungsbetreiber) und der Beimischquote für Bestandsheizungen (verpflichtet ist hier der Inverkehrbringer der Brennstoffe).

Das EWI untersucht in der Studie vier Nachfrageszenarien für den deutschen Gebäudesektor. Bei Fortschreibung aktueller Installationsraten von Gas-Heizungen und einem Anstieg der Grüngasquote auf 100 % im Jahr 2045 würde die Nachfrage auf knapp 200 TWh steigen. Bei einem vermehrten Wärmepumpeneinbau und Fortschreibung aktuell diskutierter Bioquoten könnte die Nachfrage auf knapp 40 TWh steigen. Im Jahr 2023 lag der gesamte Biogas- und Biomethanbedarf in Europa bei ca. 215 TWh.

Auf der Angebotsseite steht dieser Dynamik ein begrenztes europäisches Potenzial gegenüber, das in der EWI-Analyse mit zwei Szenarien abgebildet wird. Ausgehend von einem heutigen europäischen Angebotspotenzial von 510 TWh (nach Angaben der Internationalen Energieagentur IEA) wird das „Szenario Konstant“ definiert. Das „Szenario Wachsend“ entspricht dem IEA-Szenario aus dem „Outlook for Biogas and Biomethane“ mit einem Wachstum um 40 % auf rund 714 TWh bis zum Jahr 2050.

Knappheit könnten Endverbraucherpreise vervielfachen

„Wenn das europäische Biomethan-Potenzial auf heutigem Niveau stagniert, würde der Preisdruck ab 2040 signifikant steigen“, sagt Dr. Philipp Theile, der die Analyse gemeinsam mit Tobias Leibfritz und Michael Moritz erstellt hat. Ab dem Jahr 2040 würde dies in allen betrachteten Nachfrageszenarien zu Knappheitspreisen führen, d. h. das Angebot könnte geringer sein als die Nachfrage. In der Folge könnten sich die Endverbraucherpreise für Gas bis zum Jahr 2040 je nach Elastizität der Nachfrage vervielfachen. Dies könnte den (erneuten) Heizungstausch auch vor Ende der Lebensdauer wirtschaftlich attraktiv machen und bestehende Anlagen aus dem Markt drängen. Bei einem Potenzialwachstum des Angebots würde sich der Nachfragedruck entspannen und Knappheitspreise könnten vermieden werden.

Dazu heißt es vom EWI: „Ein Heizkostenvergleich zeigt, dass es bei einem im Jahr 2026 anstehenden Heizungswechsel szenariounabhängig in Mehrfamilienhaus-Beispielgebäuden am günstigsten ist, eine Wärmepumpe zu installieren. Für Einfamilienhäuser kann eine Gas-Heizung mit Bio-Treppe kurzfristig wirtschaftlicher sein als eine Wärmepumpe, könnte langfristig jedoch hohen Gaspreisen unterliegen. Die Betriebskosten einer Gas-Heizung unterliegen hohen Unsicherheiten, da sie am Gaspreis hängen, der ab 2040 steigen könnte. Haushalte in Einfamilienhäusern, die 2026 noch eine Gas-Heizung installieren würden, unterliegen dem Risiko, dass diese Gas-Heizung ab dem Jahr 2040 im Vergleich zu einer Wärmepumpe nicht mehr wirtschaftlich ist. Langfristig erweist sich Biomethan als ökonomisch tragfähig, wenn das europäische Angebotspotenzial steigt.“

PDF-Download: Biomethan im deutschen Gebäudesektor

Anmerkung der Redaktion: Im Prinzip müssen somit zwei Bedingungen in einem engen Korridor bleiben: Biomethanangebot und Abwanderung aus dem Gasnetz. Wenn sich nur wirtschaftliche Biomethanpreise für eine neu eingebaute Gas-Heizung ergeben, weil schon sehr viele andere Gebäudeeigentümer auf eine Wärmepumpe umgestiegen sind, sollte man sich fragen, warum sie dies getan haben: naheliegend ist dann, dass sie schlichtweg wirtschaftlich(er) ist. Insofern kann man mit einer neuen Gas-Heizung nur in Nischen (geringer Verbrauch, hoher Aufwand für einen Umstieg, technische Beschränkungen, kurze Restnutzungsdauer des Gebäudes) eine langfristig kostenoptimale Lösung erwarten. Neben den Brennstoffkosten werden bei größeren und frühen Abwanderungsbewegungen auch die Netzentgelte zum Preistreiber. ■
Quellen: EWI, eigene Überlegungen / jv

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