TGA Erneuerbare Energien

TGA Ausgabe 09-2009
Null-Energie-Haus

Wärmepumpe und Solarenergie

Abb. 1
Eco Plus Home in der ostkanadischen Provinz New Brunswick mit Elektro-Wärmepumpe, Solarthermieanlage und Photovoltaikanlage.

Ab 2019 sollen alle EU-weit neu errichteten Gebäude per Gesetz Null-Energie-Häuser sein, sie müssen dazu mindestens soviel Energie erneuerbar erzeugen wie sie selbst verbrauchen. Erste Pilotprojekte belegen schon heute die Machbarkeit. Sie setzen neben einer guten Gebäudehülle auf Solarthermie, Photovoltaik und eine Elektrowärmepumpe – und das Stromnetz als Puffer.

Kann man ohne den Einsatz fossiler Energien komfortabel wohnen? Diese Frage will jetzt das Eco-Plus-Home-Projekt in Bathurst, New Brunswick, Kanada, öffentlichkeitswirksam beantworten, indem eine sechsköpfige Familie ab September ein Jahr lang in dem serienreifen Mus­terhaus lebt. Über die schon im Juli gestartete Internetseite http://www.ecoplushome.com sollen dann laufend Energiebilanzen verfügbar sein, außerdem werden die Bewohner mehrfach wöchentlich in einem öffentlichen Chat Fragen beantworten.

Kanada ist zwar weit weg, aber doch ganz nah: Für das Musterhaus in der ostkanadischen Provinz New Brunswick direkt am St. Lorenz-Golf kommt die Gebäudetechnik aus Deutschland. Bosch Thermotechnik liefert dazu ein System aus Elektro-Wärmepumpe, Solarthermiesystem zur Raumheizung und Trinkwassererwärmung sowie einer Photovoltaikanlage. Die Wärmepumpe nutzt das Erdreich als Wärmequelle. Die Elektrizität für ihren Betrieb erzeugt die Photovoltaikanlage (über das Jahr gerechnet), zusätzlich ist sogar der Betrieb eines Elektroautos geplant. Überschüssiger Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist und bei Bedarf wieder daraus bezogen. Auf diese Weise kann man auch im strengen kanadischen Winter mit bis zu –35 °C mit im Jahresverlauf ausgeglichener oder positiver Energiebilanz komfortabel wohnen. Der CO2-Ausstoß des Eco Plus Home liegt nahezu bei null; ein herkömmliches Wohnhaus in Kanada verursacht im Schnitt hingegen CO2-Emissionen von 8 t/a.

Initiator des Projekts ist die kanadische Tight Line Productions, weitere Projektpartner sind der kanadische Fertighaushersteller Maple Leaf Homes und der Immobilienentwickler Kenny Group. Bei der Planung des Musterhauses lag einerseits ein Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit ohne Komfort­verlust, andererseits aber auch auf dem PreisLeistungsverhältnis. Ziel ist es, das Gebäude nach Abschluss des Experiments in den USA und Kanada zum Preis eines üblichen Wohnhauses anzubieten.

„Das Haus ist die konsequente Fortsetzung des Solar-Decathlon-Projekts aus dem Jahr 2007. Hatte das damals von uns geförderte Siegerhaus der TU Darmstadt noch Modellcharakter, ist das Eco Plus Home nun komplett mit Technik aus ­unserem aktuellen Produktangebot ausgestattet. Es zeigt, dass eine Energieversorgung allein aus erneuerbaren Energien ohne Einschränkung des Lebensstils gelingen kann und auch finanzierbar ist. Auf diese Weise macht man sich unabhängig von fossilen Energieträgern und immer weitersteigenden Energiepreisen“, so Mario Gross, Projektleiter bei Bosch Thermotechnik.

Man muss nicht unbedingt bis nach Kanada reisen, um vergleichbare Gebäude zu besichtigen. Zwar sind es noch nicht viele, es gibt sie aber auch in Deutschland. Hier sind solche Konzepte besonders interessant, weil es eine hohe Vergütung für die Stromgewinnung aus einer Photovoltaikanlage gibt. Ankündigungen, nach denen Photovoltaikstrom schon deutlich vor 2019 zum Endverbraucherstrompreis nutzbar gemacht werden kann, dürften dazu führen, dass Gebäudetechnikkonzepte nach dem Vorbild des Eco Plus Home schon in wenigen Jahren eine tragende Rolle übernehmen werden. Paradoxerweise geht diese Entwicklung in eine Richtung, die die Branche heute mit einer Gesamtkostenbetrachtung gerne verlassen würde. Doch wenn keine Brennstoffkosten mehr anfallen, entscheidet bei minimalen Wartungskosten (fast) nur noch der Kaufpreis. JV

http://www.ecoplushome.com http://www.bosch-thermotechnik.de

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