Michael Bartels / Bayernwerk
Der Artikel kompakt zusammengefasst
- Die Steuerung von Flexibilitäten wie Photovoltaik-Anlage, Wallbox, Stromspeicher und Wärmepumpen erfolgt bisher über Steuerboxen.
- Ein neues Verfahren ermöglicht die Steuerung von Flexibilitäten ohne physische Steuerbox, die Steuerungslogik der Steuerbox wurde dazu in das Smart-Meter-Gateway integriert. Die Weiterleitung der Steuerbefehl erfolgt über den Kommunikationsstandard EEBUS.
Bayernwerk Netz und Power Plus Communications haben in einer Versuchsreihe erfolgreich die Steuerung von Flexibilitäten direkt aus dem Smart-Meter-Gateway ohne Steuerbox getestet. Damit können Steuerbefehle an Erzeugungs-, Speicher- oder Verbrauchsanlagen künftig auch direkt über das SMGW erteilt werden.
Ob Photovoltaik-Anlage, Wallbox, Energiespeicher oder Wärmepumpe – die Zahl an Flexibilitäten in Privathaushalten nimmt weiterhin stetig zu. Damit steigt auch die Zahl der intelligenten Messsysteme (Smart Meter), die zur sinnvollen Steuerung und Messung von Verbrauch wie auch Einspeisung vorgeschrieben sind. So hat sich allein im Netzgebiet von Bayernwerk Netz mit 4,7 Mio. Einwohnern die Zahl an installierten Smart Meter von rund 126.000 in 2024 bis Ende 2025 auf etwa 220.000 Messsysteme nahezu verdoppelt. Zur Steuerung der Flexibilitäten braucht es bislang noch entsprechende Steuerboxen, die zwischen Flexibilitäten und Smart Meter geschaltet sind. Bayernwerk Netz und Power Plus Communications (PPC) haben gemeinsam ein Verfahren entwickelt und getestet, das auch ohne physische Steuerbox auskommt.
Bereits seit 2019 verfolgt Bayernwerk Netz die Idee, die Steuerungslogik der Steuerbox direkt in das Smart-Meter-Gateway (SMGW) zu integrieren und hat diesen Ansatz im Rahmen des Forschungsprojekts „BDL next“ vorangetrieben. Mit der Veröffentlichung des Schutzprofils PP-0073 Version 2.0 durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) am 13.12.2024 ist es offiziell erlaubt, Steuerbefehle im SMGW entgegenzunehmen und lokal weiterzuleiten. Dafür wird der Kommunikationsstandard EEBUS genutzt.
Zwischen September und Oktober 2025 hat ein Team der Bayernwerk Netz rund 1100 Steuerbefehle erfolgreich über das SMGWplus von PPC mit einer Erfolgsquote von 99,63 % übermittelt, wobei bereits die zukünftige Backend-Infrastruktur Ende-zu-Ende genutzt wurde. Nach der Zertifizierung des dafür nötigen Softwarestacks bei den SMGW-Herstellern könnte die Funktionalität ab Mitte 2026 breitflächig genutzt werden.
Softwareupdate rüstet SMGW auf
Dr. Joachim Kabs, Geschäftsführer der Bayernwerk Netz GmbH: „Mit der erfolgreichen Testreihe haben wir die Grundlagen für eine Standardisierung geschaffen, die das Messen und Steuern zusammen denkt. Weniger Hardware und Schnittstellen reduzieren die Komplexität der Systeme in den Haushalten. Dadurch machen wir die Energiewende im Kleinen einfacher, sicherer und effizienter, ebnen den Weg für den Kunden und beschleunigen die Umsetzung als Ganzes. Die gelungen Testergebnisse zeigen, dass neben dem Einsatz einer Steuerbox, nun auch die digitale Steuerung direkt aus dem SMGW möglich ist. Der Großteil der verbauten Smart-Meter-Gateways im Netzgebiet von Bayernwerk Netz ist bereit für diese Steuerungslogik. Nach der noch ausstehenden Zertifizierung wird ein Softwareupdate des Smart-Meter-Gateways die notwendigen Voraussetzungen für die flächendeckende Nutzung der neuen Steuerungslogik schaffen.“
Neben PPC haben als Projektpartner auch Westenergie Metering sowie Robotron die Testreihe unterstützt. www.bayernwerk-netz.de
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