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Gas-Heizung vs. Wärmepumpe

Heizenergiekosten: Wie sich die Krisen­auf­schläge auswirken

Der Artikel kompakt zusammengefasst

  • Etwa zehn Tage nach dem Beginn des Iran-Kriegs haben sich die Angebotspreise für Strom und Erdgas im Standardlastprofil für Haushaltskunden verteuert und nach drei Wochen das Niveau aus dem Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt überschritten.
  • Die in der absoluten Höhe ähnliche Teuerung bei Strom und Erdgas bedeutet im Nachbarschaftsvergleich „Gas-Heizung vs. Wärmepumpe“ für neu abzuschließende Verträge eine deutliche Erhöhung des Heizenergiekostenvorteils der Wärmepumpe.
  • Wie sich die Beschaffungspreise in den nächsten Monaten entwickeln, bleibt abzuwarten. Die Krisenaufschläge verdeutlichen aber, in welchem Umfang künftig die von Weltmarktpreisen weitgehend unabhängige CO2-Bepreisung von Brennstoffen, die Gas-Netzentgelte und Grüngasanteile im Erdgas den Heizenergiekostenvorteil von Wärmepumpen ausbauen können.
Bild 1 Straße von Hormus. Die Blockade des für flüssige und gasförmige fossile Energieträger wichtigen Seewegs hat die Beschaffung ebendieser deutlich verteuert und bereits auf das Preisniveau angebotener Neuverträge abgefärbt.

Aerial View – stock.adobe.com

Bild 1 Straße von Hormus. Die Blockade des für flüssige und gasförmige fossile Energieträger wichtigen Seewegs hat die Beschaffung ebendieser deutlich verteuert und bereits auf das Preisniveau angebotener Neuverträge abgefärbt.

Die bisher nur für Neuverträge relevanten Preisaufschläge für die Belieferung von Haushalten mit Erdgas und Strom seit dem Beginn des Iran-Kriegs liegen auf einem ähnlichen Niveau. Der Heizkostenvorteil einer Wärmepumpe gegenüber einer Gas-Heizung vergrößert sich bei solchen Bewegungsmustern erheblich.

Die Gründe für gesunkene Preise waren vielfältig, aber das Ergebnis eindeutig: Bei den täglich aktualisierten Werten im Energiemonitor von Die Zeit lag am 28. Februar 2026 der Haushaltsstrompreis mit 25,5 Ct/kWh für Neukundentarife 3,7 Ct/kWh unter dem Wert ein Jahr zuvor. Erdgas hatte mit 8,4 Ct/kWh nur noch wenig Spielraum nach unten und lag 1,8 Ct/kWh unter dem Wert am Vorjahrestag.

Am 28. Februar 2028 begann der Iran-Krieg und verteuerte die Weltmarktpreise für fossile Brennstoffe deutlich. Etwa zehn Tage danach haben die Angebotspreise für Strom und Erdgas im Standardlastprofil für Haushaltskunden reagiert. Die Werte der Vorjahrestage im Die-Zeit-Energiemonitor wurden nach 19 Tage bei Strom und nach 21 Tagen bei Erdgas übersprungen. Der Monitor zeichnet zwar Angebotspreise inklusive Boni und damit ein künstlich-niedriges Niveau auf, macht aber Trends und Reaktionen der Energieanbieter zeitnah sichtbar. Am 15. April 2026 lag der durchschnittliche Angebotspreis für Haushaltsstrom bei 27,9 Ct/kWh rund 0,8 Ct/kWh über dem Vorjahrestageswert, Erdgas hatte sich um 1,2 Ct/kWh auf 10,8 Ct/kWh gegenüber dem Vorjahrestageswert verteuert. Wer zurzeit einen Anschluss für vor einem Jahr abgeschlossene Verträge sucht, wird fast immer mit höheren Preisen konfrontiert.

Auswirkungen auf den Wärmemarkt

Um die Verschiebungen im Energiepreisgefüge auf den Wärmemarkt mit einfachen Eingangsdaten transparent zu machen, basiert Bild 2 auf Nennpreisen für in der Energiewirtschaft und für Preisvergleiche übliche Netzentnahmen von 20.000 kWh/a Erdgas und 3500 kWh/a Haushaltsstrom, jedoch anders als beim Die-Zeit-Energiemonitor ohne Boni. Die Netzentnahmen repräsentieren ein Einfamilienhaus vor dem ersten Modernisierungszyklus ohne Strom für Raumwärme und Trinkwassererwärmung bzw. Elektrofahrzeuge. Der zusätzliche Strombedarf der Wärmepumpe von 5636 kWh/a ergibt sich für eine in der Heizungsmodernisierung gut zu erreichende Jahresarbeitszahl von 3,3 und einen optimistischen auf den Brennwert bezogenen Jahresnutzungsgrad von 0,93 für eine aktuelle Gas-Brennwertheizung.

Die Parameterkurven mit einem Energiekostenvorteil von 200 bis 1200 Euro/a gelten für einen rechnerisch ermittelten effektiven Wärmepumpen-Strompreis. Dieser ergibt sich aus dem Nennpreis für einen angenommenen Grundpreis von 120 Euro/a (für den Netzentgelt-Grundpreis und die übliche Kalkulation der Lieferanten mit einer Servicepauschale), einem Modul-1-Netzentgelt von 140 Euro/a sowie 80 Euro/a Mehrkosten gegenüber einem üblichen Zählpunkt mit den Preisobergrenzen für Smart Meter und Steuerbox. Bei 5636 kWh/a folgt daraus eine Verschiebung der Parameterkurven um (180 / 5636) Euro/kWh = 3,19 Ct/kWh gegenüber dem Nennpreis nach unten.

Auswirkungen auf den Wärmemarkt

Im Nachbarschaftsvergleich „Gas-Heizung vs. Wärmepumpe“ für neu abzuschließende Verträge liegen die Startpunkte in Bild 2 abhängig von der Postleitzahl (aufgrund der örtlichen Netznutzungsentgelte für Gas und Strom sowie bei Strom der für die Konzessionsabgabe relevanten Einwohnerzahl der Gemeinde) im linken Bereich auf unterschiedlicher Höhe. Vom 15. Februar bis zum 15. April 2026 (jeweils die Stichtage für das Wärmepumpenstrom-/Gaspreis-Barometer) gab es bei Strom eine Teuerung von etwa 2,1 Ct/kWh und bei Erdgas von etwa 2,4 Ct/kWh. Die Teuerung war bundesweit ungefähr gleich, da sich lediglich der Beschaffungspreis geändert hat – jedoch bieten nicht alle Stromlieferanten bundesweit an und preisen die Auswirkungen des Iran-Kriegs für die nächsten zwölf Monate unterschiedlich ein. Zudem werden nicht alle Tarife täglich angepasst. Basis sind jeweils die drei günstigsten Tarifangebote. Anmerkung: Bei Tarifangeboten mit Boni war bei Strom die Korrektur größer und bei Erdgas hat eine sehr starke Annäherung der Preisniveaus mit und ohne Boni bis auf wenige Euro/a stattgefunden.

Bild 2 Normierter Nachbarschaftsvergleich „Gas-Heizung vs. Wärmepumpe“ für neu abzuschließende Verträge auf der Basis von Nennpreisen.

JV

Bild 2 Normierter Nachbarschaftsvergleich „Gas-Heizung vs. Wärmepumpe“ für neu abzuschließende Verträge auf der Basis von Nennpreisen.

Mit roten Pfeilen eingetragen zeigt sich für das Beispiel beim Nachbarn mit Wärmepumpe eine Neuvertrags-Kostenerhöhung für die nächsten 12 Monaten um 118 Euro/a und beim Nachbarn mit Gas-Heizung um 480 Euro/a. Der Kostenvorteil der Wärmepumpe ist also um rund 360 Euro/a gestiegen. Lila gepunktet ist eingetragen, wie stark der Nenn-Strompreis insgesamt steigen dürfte, damit der ursprüngliche Vorteil gleich bleibt: um ca. 8,5 Ct/kWh.

Ausblicke

Zwischenzeitlich hatte die Koalition die bei ihrem Antritt angekündigte und dann abgesagte Absenkung der Stromsteuer wieder auf den Tisch gelegt. Beim Koalitionsgipfel am 12./13. April 2026 wollte sie erneut darüber als Entlastungsmaßnahme verhandeln, es gibt aber im Ergebnispapier keinen Hinweis dazu. Die Absenkung der Stromsteuer würde den Strompreis um bis zu 2,32 Ct/kWh absenken und dann den Heizenergiekostenvorteil der Wärmepumpe im Rechenbeispiel um 130 Euro/a erhöhen.

Der innerhalb von zwei Monaten im Nachbarschaftsvergleich für Neuverträge stark gestiegene Kostenvorteil der Wärmepumpe ergibt sich insbesondere aus der Teuerung bei Erdgas, wobei das Preisniveau nur in Verteilnetzen mit hohem Netzentgelt in den Bereich des Referenzpreises der Gaspreisbremse (2023) von 12 Ct/kWh kommt. Die Teuerung von 2,4 Ct/kWh entspricht einem um 111 Euro/t (netto) gestiegenen CO2-Preis. Es würde dann aktuell bei 176 Euro/t liegen. Das liegt unter dem Niveau, das in vielen Modellrechnungen ein Gleichgewicht zwischen den zur Verfügung stehenden CO2-Emissionszertifikaten und den tatsächlichen CO2-Emissionen im Bilanzkreis ergibt.

Weitere Preisspiralen ergeben sich aus dem Gas-Netzentgelt sowie der laut den GMG-Eckpunkten 2028 für alle Haushalten startenden Grüngasquote bzw. der Bio-Treppe für ab 2024 eingebaute Gas-Heizungen, die nicht durch den ebenfalls in den GMG-Eckpunkten angekündigten Technikkatalog (teil)befreit sind.

Bis Mitte Februar 2026 streuten die Angebotspreise für Tarife mit 10 % Biomethananteil aufgrund unterschiedlicher Gärsubstrate und ohne verbindlichen Standard deutlich, die günstigsten Angebote lagen etwa 0,9 Ct/kWh über 100-%-Erdgas-Tarifen.

Seit 2025 können die Gasnetzbetreiber über KANU 2.0 ihre Anlagen kürzer und degressiv abschreiben, sodass zuletzt die jährlich Teuerung beim Gas-Netzentgelt im Durchschnitt bei 0,49 und 0,29 Ct/kWh lag. In einzelnen kleinen Verteilnetzen gab es Aufschläge von bis zu 3,1 Ct/kWh.

Steigende Gas-Netzentgelte (der Anteil für das Verteilnetz), die CO2-Bepreisung von Brennstoffen und die Mehrkosten für die Grüngasbeimischung färben anders als die Kosten für die Erdgasbeschaffung nicht auf den Strompreis ab und werden im Nachbarschaftsvergleich voraussichtlich den Heizkostenvorteil der Wärmepumpe kontinuierlich erhöhen.

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