Kerstin Hase – Gesundheit Nord
Im Klinikum Bremen-Mitte sind in das bis 1929 als „Neues Medizinisches Krankenhaus“ errichtete „Haus 2“ nach einer Kernsanierung das Café Louise mit eigener Küche sowie die Klinikverwaltung eingezogen. Für die neu aufgebaute Belüftung gab es bei engem Terminplan zahlreiche Herausforderungen.
Der Maximalversorger Klinikum Bremen-Mitte kann so gut wie jede Krankheit und schwerste Verletzungen behandeln. Die Gebäude am Standort wurden in den letzten Jahren umfassend neu- aber auch umgebaut. Das langgestreckte Eingangsgebäude „Haus 2“ mit dem Haupteingang zum Klinikum wurde in den 1920er-Jahren im Stil des Backsteinexpressionismus errichtet. Im altehrwürdigen Gebäude war viele Jahre die innere Medizin untergebracht. Nach den Schäden des 2. Weltkrieges waren historisch im Sinne des städtebaulichen Ensemble-Schutzes die Fassade, der Eingangsbereich sowie einige aufwändig gestaltete, repräsentative Räume und der eigentliche Rohbau erhalten.
Die zentrale Vorgabe der Denkmalschutzbehörde für das inzwischen kernsanierte Gebäude war, bauzeitliche Bauteile nicht nur im Außenbereich, sondern innerhalb des Gebäudes zu schützen. Gleichzeitig sollte der Bau von einem klinischen Betrieb zu einem Büro- und Verwaltungsgebäude mit Gastronomiebetrieb umgebaut werden. Deshalb wurde das dreiflügelige Gebäude weitgehend entkernt und anschließend entsprechend den für die neue Nutzung geltenden Normen und Richtlinien auf den neuesten Stand gebracht. Vom „ersten Hammerschlag“ bis zur Bezugsfertigkeit vergingen rund 24 Monate. Insgesamt 20 Gewerke waren an der Sanierung beteiligt.
Wolf
Umbau im laufenden Klinikbetrieb
Das rund 13.150 m2 große Gebäude hat fünf Vollgeschosse mit unterschiedlichen lichten Raumhöhen. Nicht nur das Krankenhauspersonal hatte in der Vergangenheit lange Wege zu überbrücken, sondern auch die Versorgungsleitungen in den Korridoren entlang der Raumdecken: Der langgestreckte Gebäuderiegel mit dem Haupteingang für das gesamte Klinikum ist nur 7,5 m breit, aber 124 m lang, seine symmetrischen Anbauten an den Stirnseiten messen jeweils 44 m. Das Gebäude überragt die Geländeoberkannte am First um 28 m.
Im Bereich des Haupteingangs musste in der Umbauphase auf den regen Patienten- und Besucherverkehr durch den Haupteingang Rücksicht genommen werden. Der Zugangsbereich mit seiner repräsentativen Empfangshalle sollte für den reibungslosen Klinikbetrieb nicht nur freigehalten, sondern auch zuverlässig vor Staub und Lärm geschützt werden. Besucher mussten also ohne Beeinträchtigungen mitten durch die Baustelle geführt werden.
Da die mittig im Gebäude platzierte Eingangshalle durch einen Luftraum mit dem 1. Obergeschoss verbunden ist, konnten diese Geschosse während des Umbaus nicht durchgängig betreten werden, sondern nur über den Umweg durch das Untergeschoss bzw. das 2. Obergeschoss.
Der 24/7-Betrieb des Klinikums stellte gemäß den Immissionswerten der TA-Lärm für Krankenhäuser auch erhöhte Anforderungen an den Schallschutz. Als Regelarbeitszeit wurde Montag bis Freitag von 7:00 bis 19:00 Uhr festgelegt. Ken Runge, Bauleiter Team Funke Klimatechnik: „Der 24/7-Klinikbetrieb direkt nebenan und die Gegebenheiten im Gebäudebestand erforderten tägliche Abstimmungen, um die Arbeiten zwischen den Gewerken zu koordinieren.“
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Optische, räumliche und statische Herausforderungen
Die RLT-Technik musste aus optischen Gründen (Ensembleschutz) im engen Dachgeschoss untergebracht werden. Die Dachneigung ist zwar mit 45° relativ steil und das Geschoss ist bis zu 6 m hoch, es hat aber nur eine begrenzte Stellfläche, da der Dachraum des schmalen Gebäudes für das Baujahr typisch ohne einen echten Kniestock ausgeführt ist.
Da aus Platzgründen kein Fahrstuhl bis ins Dachgeschoss installiert werden konnte und durch die Treppenhäuser ein Transport sperriger Güter nicht möglich ist, wurden alle Teile für die Lüftungstechnik mithilfe eines Krans durch die eigens für diesen Zweck geöffnete Dachhaut ins Gebäude eingebracht. Die drei RLT-Geräte KG Top von Wolf wurden entsprechend zerlegt als einzelne, jeweils mit Kranlaschen versehene Module in den Dachstuhl eingebracht und dort auf dem vorbereiteten Stahlgerüst montiert.
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Eine weitere Herausforderung ergab sich nach der statischen Prüfung der Geschossdecken: Im Gegensatz zu den Decken der Vollgeschosse hat die Decke zum Dachgeschoss nur eine Tragfähigkeit von 100 kg/m2 (statt 300 kg/m2), sodass der RLT-Technik im wahrsten Sinne des Wortes gleich mehrere Grenzen gesetzt waren.
Die Lastverteilung der drei zusammen rund 6,1 t schweren Lüftungsgeräte erfolgt deshalb über aufgeständerte Stahlträger. Das vermeidet hohe Punktlasten auf die Dachgeschossdecke, da die Lasten über die Außenmauern abgetragen werden. Auch die Aufhängung der Lüftungskanäle ist eine individuelle Konstruktion; sie sind an ein flexibles Montageschienensystem gehängt, um ihre Last über das Dachgebälk abzutragen.
Die Lüftungsgeräte inklusive Montagesystem wurden mithilfe einer Computersimulation zwischen die das Dach tragende Holzkonstruktion eingepasst – ebenso die nach außen und ins Gebäude führenden Luftkanäle. Die RLT-Geräte sind niederfrequent schallentkoppelt auf Stahlfederisolatoren in Kombination mit einer Puroplan-Unterlegeplatte zur Hochfrequenzabschirmung aufgestellt – der Dachraum grenzt unmittelbar an direkt darunter liegende schutzbedürftige Räume an.
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Hybrides Lüftungskonzept im Verwaltungsbereich
Aufgrund der begrenzten Aufstellungsfläche sowie aus ökonomischen Erwägungen wurde das Lüftungskonzept für die von der Klinik-Verwaltung bezogenen Räumlichkeiten als hybride Lösung geplant: Das heißt, dass das Lüftungsgerät nur für etwa die Hälfte der Fläche im Verwaltungstrakt einen Luftvolumenstrom von bis zu 16.000 m³/h bereitstellt.
Die Sanitärräume werden mit einem konstanten Volumenstrom versorgt. Er wird mit einer Nachlaufzeit von 3 Minuten über das Licht, bzw. über Präsenz gesteuert. In den Wasch- und Duschräumen kann die Belüftung optional über den Parameter Raumluftfeuchte genau reguliert werden. Alle anderen Räume mit mechanischer Lüftung werden mit einem konstanten Volumenstrom (Grundlüftung) versorgt. In Besprechungs- bzw. Gemeinschaftsräumen wird der Volumenstrom zusätzlich in Abhängigkeit von der Luftqualität (CO2-Sensoren) bedarfsgerecht geregelt.
Insbesondere kleine Büroräume zur Einzelnutzung und Teeküchen werden nicht mechanisch sondern manuell belüftet.
Das RLT-Gerät für die Verwaltung ist mit einem Heizregister (33 kW) ausgestattet, um bei Bedarf die Zuluft vorwärmen zu können. Die Wärmerückgewinnung im RLT-Gerät erfolgt über einen rotierenden Enthalpie-Wärmeübertrager. Er hebt mit rund 78 % der aus der Abluft zurückgewinnbaren Wärme die Temperatur im Außenluftvolumenstrom an. In der Heizsaison erhöht der Enthalpie-Wärmeübertrager die relative Raumluftfeuchte und vermeidet „trockene Heizungsluft“ und ihre negativen Wirkungen.
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Café Louise mit Küche
Die technischen Anforderungen an die beiden RLT-Geräte für die Küche und den Gastraum des Café Louise ergeben sich vorrangig aus dem Arbeitsschutz und der Hygiene. Das Küchenlüftungsgerät KG Top in einer speziellen Ausführung für Küchen mit effizienter Wärmerückgewinnung arbeitet gemäß DIN EN 16798 Teil 1 (Luftvolumenstrom) und Teil 3 (Geräte) mit einem Luftvolumenstrom von 11 000 m3/h. Die Abluft wird mit einem RLT-Gerät nach VDI 2052-1 (Raumlufttechnik – Küchen) über Küchenlufthauben abgeführt. Für den Gastraum des Cafés sind 6000 m3/h Lüftungsleistung installiert.
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Aus hygienischen Gründen erfolgt die Wärmerückgewinnung gemäß VDI 6022 Blatt 1 „Raumlufttechnik, Raumluftqualität – Hygieneanforderungen an raumlufttechnische Anlagen und Geräte“ und VDI 2052 Blatt 1 bei beiden RLT-Geräten über einen Platten-Wärmeübertrager mit einem Rückgewinnungsgrad zwischen 84 und 88 %. Steigt die Raumtemperaturen über 23 °C, wird über in die RLT-Geräte integrierte Kaltwasser-Kühlregister die Zuluft gekühlt. Die Kühlleistung des Küchengeräts beträgt 40 kW, die des Cafégerätes 22 kW.
Das Café Louise präsentiert sich seinen Besuchern hell und freundlich – Patienten, ihre Angehörigen sowie die Mitarbeiter des Klinikums. Im angenehm temperierten und belüfteten Gastraum ist von der Betriebsamkeit in der Küche nichts zu spüren. Dort sind die lüftungstechnischen Arbeitsschutzrichtlinien und Brandschutzvorschriften vorbildlich umgesetzt. Kochen, Braten und Spülen gelingen hier ohne Wrasen und Schwaden außerhalb des Lüftungsdeckenbereichs bei gleichzeitig angenehmen Raumtemperaturen.
Auch von außen erstrahlt der historische Sichtziegelbau im neuen Glanz. Von der neuen Lüftungstechnik sind außen lediglich auf der von der Straße abgewandten Dachseite sechs 1700, 2100 und 2700 mm hohe und 700 mm breite Schrägdach-Wetterschutzgitter sichtbar. Sie sind beheizbar, damit ihre Vereisung die Betriebssicherheit und Effizienz der Anlagen bei kalten Witterungsbedingungen nicht gefährden kann.
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