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Energiepolitik

Energieeffizienz: Deutsch­lands stra­te­gi­scher Si­cher­heits­bau­stein

Mdv Edwards - stock.adobe.com

Energieeffizienz ist mehr als nur Klimaschutz. Sie ist ein strategischer Faktor zur Reduzierung von Energieabhängigkeiten und zur Stärkung der nationalen Resilienz. Eine neue Forderung sieht sie als „First Fuel of Security“ in der Energie-, Industrie- und Verteidigungspolitik verankert.

Deutschland geht mit ungewöhnlich niedrigen Gasreserven in den Herbst. Die Energieversorgung des Landes ist strukturell stark von Importen abhängig. Im Jahr 2025 deckten Energieimporte zwei Drittel des Primärenergieverbrauchs ab. Das bedeutet, heimische Energiequellen reichten rechnerisch nur für 125 Tage des Jahres, bis zum 5. Mai 2026.

Angesichts geopolitischer Risiken und anhaltender Störungen in den globalen Energie- und Lieferketten fordern die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) und die European Initiative for Energy Security (EIES) eine strategische Verankerung der Energieeffizienz. Ein gemeinsamer Policy Brief beider Organisationen unterstreicht, dass jede eingesparte Kilowattstunde Importabhängigkeiten reduziert, kritische Infrastruktur entlastet und die strategische Handlungsfähigkeit Deutschlands stärkt.

Abhängigkeiten reduzieren

Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deneff, betont, dass Energieeffizienz weit mehr als Klimaschutz ist. Sie ist ein strategischer Faktor zur Reduzierung von Energieabhängigkeiten. Wer den Energiebedarf senkt, muss weniger Energie importieren, transportieren und im Krisenfall absichern.

Dr. Sabrina Schulz, Germany Director der EIES, ergänzt, dass Energieimport-Abhängigkeit zu einem Sicherheitsrisiko geworden ist. Versorgungssicherheit umfasst nicht nur neue Lieferanten und Transportrouten oder zusätzliche Reserven, sondern beginnt mit der strukturellen Senkung des Energiebedarfs. Energieeffizienz ist eine unverzichtbare strategische Sicherheitsressource für Deutschland und Europa.

Infrastruktur und Verteidigung stärken

Während Diversifizierung Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten und Transportwegen verringern kann, beseitigt sie nicht die strukturelle Importabhängigkeit. Energieeffizienz senkt den Gesamtenergiebedarf und stärkt damit die strategische Autonomie, die Resilienz der Energieinfrastruktur und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Ein geringerer Energiebedarf entlastet insbesondere die Stromnetze, erleichtert den Umgang mit Störungen und reduziert den Bedarf an zusätzlicher Erzeugungskapazität, Netzausbau und strategischen Reserven.

Auch militärische Infrastruktur profitiert: Energieeffiziente Kasernen, Krankenhäuser und Führungszentren bleiben bei Störungen der Energieversorgung leichter funktionsfähig und benötigen weniger logistische Versorgung mit Öl und Gas. Noll fasst zusammen: „Energieeffizienz schafft Handlungsspielräume in der Krise. Wenn kritische Infrastruktur weniger Energie benötigt, sinkt ihre Verwundbarkeit.“

Industrielle Stärke schützen

Energieeffizienzlösungen für Industrie und Gebäude sind ein strategischer Wirtschaftsfaktor. Europäische Unternehmen verfügen hier über eine Technologieführerschaft. Diese Führung gilt es angesichts der Ressourcenabhängigkeit Europas auszubauen. Allein in Deutschland sichert die Energieeffizienzbranche mehr als eine Million Arbeitsplätze. Die jährlichen Investitionen in die energieeffiziente Modernisierung des Gebäudebestands entsprechen 2,5 % des Bruttoinlandsprodukts. Jeder in die Effizienzsteigerung deutscher Produktionsstandorte investierte Euro trägt zur Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit bei.

„Efficiency First“ in der Politik

Deneff und EIES fordern daher, Energieeffizienz systematisch in die Energie-, Industrie-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu integrieren. Dies beinhaltet einen „Efficiency First“-Ansatz bei öffentlichen Planungs- und Förderentscheidungen, die konsequente Umsetzung des Energieeffizienzgesetzes und eine Energiesicherheitsstrategie, die Energieeffizienz ausdrücklich als strategische Ressource anerkennt.

Mehr Informationen: Policy Brief

Quelle: Deneff / fl