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Raumlufttechnik

FGK-Rechner: wann sich Lüf­tungs­tech­nik im Bü­ro aus­zahlt

Studien belegen, dass eine hohe Raumluftqualität die Konzentration fördert und den Krankenstand senken kann.

Jirawatfoto - stock.adobe.com

Studien belegen, dass eine hohe Raumluftqualität die Konzentration fördert und den Krankenstand senken kann.

Gute Leistung benötigt gute Luft. Studien belegen, dass eine hohe Raumluftqualität die Konzentration fördert und den Krankenstand senken kann. Investitionen in Lüftungstechnik kommen somit den Mitarbeitenden zugute und zahlen sich für Arbeitgeber aus, wie Claus Händel, Geschäftsführer Technik beim Fachverband Gebäude-Klima e. V. (FGK), betont.

Ein webbasierter Wirtschaftlichkeitsrechner des Verbands liefert Architektur- und Planungsbüros Argumente, die Bauherren und Betriebswirte überzeugen können. Moderne Büroarbeitswelten, die das Miteinander fördern, erhöhen zwar die Kontaktmöglichkeiten, aber auch die Infektionsgefahr. Dieses Risiko lässt sich durch gute Luft reduzieren.

Grenzen der Fensterlüftung

Viren, die Atemwegserkrankungen auslösen, verbreiten sich in der kälteren Jahreszeit effektiver. Das Robert Koch-Institut führt dies u.a. darauf zurück, dass Fenster im Winter seltener geöffnet werden und sich Erreger in der Raumluft anreichern. Auch eine relative Luftfeuchtigkeit unter 40 % trägt dazu bei, da Viren dann länger aktiv bleiben und das menschliche Abwehrsystem geschwächt ist.

Händel weist darauf hin, dass Durchzug und Stoßlüften im Winter oft unbeliebt sind und Fensterlüftung in der Regel einen zu geringen Luftaustausch bietet. Zudem führt die Erwärmung frischer, kalter Außenluft oft zu einer sehr trockenen Raumluft.

RLT-Anlagen: Mehr als nur Luftaustausch

Eine raumlufttechnische (RLT-)Anlage bietet eine verlässlichere und energiesparendere Lüftungslösung. Anlagen mit Wärmerückgewinnung, Bedarfsregelung und Luftbefeuchtung sorgen für einen geeigneten Luftwechsel, der CO2, Schadstoffe und Krankheitserreger reduziert. Sie filtern Feinstaub, Erreger und Pollen aus der Außenluft und vermeiden trockene Luft im Winter. Oft besteht die Überlegung, Baukosten durch den Verzicht auf eine Lüftungsanlage zu senken. Händel entgegnet: „Offene Fenster lassen Heizungswärme raus und Feinstaub oder Pollen rein. Dazu kommt der erhöhte Geräuschpegel bei offenem Fenster. Das ist der Konzentration nicht zuträglich.“ Wer auf eine Lüftungsanlage verzichtet, verschenkt ein erhebliches Einsparpotenzial.

FGK

Wirtschaftlicher Nutzen übersteigt die Kosten

Der FGK-Wirtschaftlichkeitsrechner ermöglicht eine monetäre Bewertung der gesundheitsfördernden Effekte von RLT-Anlagen und stellt diese den Vollkosten gegenüber. In Sektoren wie „Information und Kommunikation“ oder „Finanz- und Versicherungsdienstleister“ übertrifft ein halber Krankheitstag typischerweise die Jahreskosten einer RLT-Anlage. Nutzer können BAuA-Daten oder eigene Werte für Arbeitsunfähigkeitstage und Bruttowertschöpfung eingeben. Auch die Kosten der RLT-Anlage sind editierbar, wobei Startwerte für typische Anlagen vorgeschlagen werden. Der Rechner ermittelt den Break-Even-Punkt. Mehrere Studien zeigen, dass etwa 20 bis 50 % der Übertragungen von Atemwegserkrankungen auf unzureichende Luftqualität zurückzuführen sind und durch geeignete Lüftungsmaßnahmen vermieden werden könnten.

Wirtschaftlichkeitsrechner

Breiterer Mehrwert und Immobilienwertsteigerung

In den Wirtschaftszweigen Information/Kommunikation und Finanz/Versicherung sind Atemwegserkrankungen die häufigste Ursache für Krankschreibungen und führen zu Arbeitsausfällen von etwa 3,5 Tagen pro Person und Jahr. Werden 20 % dieser Ausfälle (etwa 0,7 Tage) durch bessere Luft vermieden, entspricht dies einer Bruttowertschöpfung von über 200 Euro pro Person. Dies summiert sich allein in diesen beiden Sektoren auf jährlich etwa 0,6 Mrd. Euro. Die Vollkosten der Lüftungstechnik pro Person und Jahr betragen dagegen etwa 135 Euro, inklusive Anschaffung, Wartung und Betrieb für eine Anlage mit Luftbefeuchtung, Bedarfsregelung und Kühlung. Dies schafft eine Win-win-Situation für Büroangestellte, Arbeitgeber und die Volkswirtschaft. Der volkswirtschaftliche Nutzen wird auf einen Anstieg der Bruttowertschöpfung um 1,5 bis 4 Mrd. Euro jährlich geschätzt, bei 0,7 bis 1,3 weniger Ausfalltagen.

Händel weist auf weitere Vorteile ventilatorgestützter Lüftung hin, die über die Vermeidung von Arbeitsunfähigkeitstagen hinausgehen. Gute Luftqualität steigert die kognitive Leistung, die Reaktions- und Entscheidungsfähigkeit. Zudem profitieren Allergiker von der Filterung von Pollen. Bürogebäude mit ventilatorgestützter Lüftung auszustatten, ist wirtschaftlich sinnvoll und positiv für die dort arbeitenden Menschen. Darüber hinaus hilft die Raumlufttechnik, Feuchteschäden und Schimmelbildung zu vermeiden und erhöht den Wert der Immobilie. Der FGK möchte mit dem Rechner insbesondere Architekturbüros und ihre Auftraggeber in der frühen Planungsphase überzeugen. Der Online-Rechner ersetzt keine projektspezifische Kalkulation, kann aber ein erhebliches Sparpotenzial aufzeigen. ■
Quelle: FGK / fl