TGA Brandschutz

TGA Ausgabe 02-2016
Brandschutz unter allen Umständen regelgerecht (Teil 1)

Fachgerechter Umgang mit abP, abZ und ZiE


1 In Mehrfamilienhäusern ist der bauliche Brandschutz ein „brenzliges Thema“, gerade bei den immer knapper werdenden Schächten.

1  In Mehrfamilienhäusern ist der bauliche Brandschutz ein „brenzliges Thema“, gerade bei den immer knapper werdenden Schächten.

Der bauliche Brandschutz – hier im speziellen Schachtbelegungen mit Rohrdurchführungen durch Brandschutzabschnitte – ist dezidiert geregelt. In der täglichen Praxis kommt es aber immer wieder zu Konfliktsituationen, die eine normgerechte Umsetzung der Vorgaben erschweren und / oder besondere Anforderungen an die Bauprodukte beziehungsweise Bauarten stellen. TGA-Planer und SHK-Fachunternehmen müssen deshalb die rechtliche Stellung und den Spielraum von allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnisse (abP), allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (abZ) und der Zustimmung im Einzelfall (ZiE) genau kennen, um fachgerechte Brandschutzdurchführungen sicherzustellen.

Kompakt informieren

Wichtige Begriffe für den baulichen Brandschutz sind: Bauprodukt, Bauart, allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP), allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ), Zustimmung im Einzelfall (ZiE), Übereinstimmungsnachweis (Übereinstimmungserklärung / Übereinstimmungszertifikat), Ü-Zeichen, Übereinstimmungsbestätigung und Übereinstimmungserklärung.

Ohne genaue Kenntnisse zu diesen Begriffen, ist eine fachgerechte Brandschutzabschottung ein Zufallsergebnis.

Im Brandschutz geht es um Leben und Tod. Und nicht zuletzt um hohe Schadensummen, die die Betroffenen schnell in den finanziellen Ruin stürzen können. In der Folge kann das möglicherweise auch den zuständigen Fachplaner oder das ausführende Fachhandwerksunternehmen treffen: wenn im Nachhinein unzulässige Installationen als Ursache für eine Ausbreitung des Feuers festgestellt werden. Deshalb ist der sicherer Einsatz und die korrekte Verwendung der Bauprodukte und Bauarten, die dem Brandschutz dienen, für alle am Bau Beteiligten von großer Bedeutung.

Schließlich stellt schon § 3 der Musterbauordnung (MBO) unter der Überschrift „Allgemeine Anforderungen“ klar:

(1)Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden.

(2)Bauprodukte und Bauarten dürfen nur verwendet werden, wenn bei ihrer Verwendung die baulichen Anlagen bei ordnungsgemäßer Instandhaltung während einer dem Zweck entsprechenden angemessenen Zeitdauer die Anforderungen dieses Gesetzes oder aufgrund dieses Gesetzes erfüllen und gebrauchstauglich sind.

Das ist umfassend formuliert und prinzipiell eindeutig. Doch spätestens beim Bezug auf die tägliche Baupraxis, beispielsweise auf Schachtbelegungen durch Brandabschnitte Abb. 22, muss die Theorie konkret durch entsprechende Bauprodukte und Bauarten mit Leben erfüllt werden. Wer dabei nicht das notwendige Fachwissen mitbringt – und nicht entsprechend geeignete Produkte und Systeme einsetzt – setzt sich unweigerlich einem Haftungsrisiko aus. Dies betrifft alle unmittelbar am Bau beteiligten Gewerke, jedes in seiner speziellen Funktion. Dazu ein Zitat aus dem Strafgesetzbuch (StGB), § 319 „Baugefährdung“:

(1)Wer bei der Planung, Leitung oder Ausführung eines Baues oder des Abbruchs eines Bauwerks gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik verstößt und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Wie aber lässt sich die korrekte Verwendung von Bauprodukten und Bauarten absichern und dokumentieren? Und welche Gesetze sind hierbei im Einzelnen zu berücksichtigen?

Der Rechtsrahmen

Baurecht ist in Deutschland Landesrecht. In der Musterbauordnung und in den Landesbauordnungen gibt es bereits Hinweise, welche Bauprodukte im Kontext des vorbeugenden baulichen Brandschutzes verwendet werden dürfen. Als Grundtenor gilt dabei: „Bauprodukte dürfen für die Errichtung, Änderung und Instandhaltung baulicher Anlagen nur verwendet werden, wenn sie für den Verwendungszweck geeignet sind.“ Dafür gibt es Kennzeichnungen, wie das Ü- oder das CE-Zeichen, die in § 17 MBO mit den entsprechenden Anforderungen, die diese Produkte zu erfüllen haben, hinterlegt sind.

Im Einvernehmen mit der obersten Bauaufsichtsbehörde der Länder macht wiederum das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) für Bauprodukte die technischen Regeln bekannt, die zur Erfüllung der an bauliche Anlagen gestellten Anforderungen erforderlich sind. Das DIBt sieht sich hier neben den Vorgaben aus dem Europäischen Parlament auch den Anforderungen aus dem Grund-gesetz verpflichtet. Somit ist es möglich, dass Anforderungen an Bauprodukte oder Bauarten über die Anforderungen auf Basis des Europäischen Parlaments teilweise sogar hinausgehen können.

Die Abgrenzung

Als Bauprodukt wird das einzelne Produkt bezeichnet. So gehören zu einer Rohrabschottung meist die Bauprodukte Rohre, Befestigungsmaterialien, Umhüllungen, Dämmungen, Material zum Verfüllen von Öffnungen zwischen Rohr bzw. Rohrummantelung und durchdrungenem Bauteil (Wand / Decke) oder gegebenenfalls auch reaktive Bauprodukte, wie Dämmschichtbildner oder Blähgrafite Abb. 3.

Daneben gibt es die Bauart. Die Bauart „Abschottung“ Abb. 4 beschreibt zum Beispiel die komplette Rohrdurchführung. Es werden mehrere Bauprodukte in einer bestimmten und festgelegten Anordnung kombiniert. Das Ergebnis ist dann die Rohrabschottung mit einer bestimmten Qualität und einem festgelegten Leistungsumfang.

Bauprodukte und Bauarten für Abschottungen sind ungeregelt und bedürfen darum in der Regel einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (abZ) des DIBt. In der Bauregelliste (BRL) A Teil 2 Nr. 2.6 genannte Bauprodukte bzw. die in der BRL A Teil 3 Nr. 2.6 genannten Bauarten sind allerdings von der Zulassungspflicht ausgenommen und bedürfen stattdessen eines allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnisses (abP). Hierunter fallen Brandschutzabschottungen von Rohrleitungen, deren Prinzip auf einer Rohrummantelung als Streckenisolierung beruht und bei denen keine dämmschichtbildenden Baustoffe zum Einsatz kommen; beispielsweise Dämmschalen für Metallrohre oder thermoplastische Kunststoffrohre.

Alternativ können Bauprodukte für Abschottungen auch über ein „European Technical Assessment“ (ETA) bewertet und in Verkehr gebracht werden. Diese Produkte müssen nach der Bauproduktenverordnung (BauPVO) das CE-Zeichen tragen. Für die Verwendung in Deutschland sind jedoch zusätzliche Bestimmungen zu beachten (Liste der technischen Baubestimmungen (LTB)), sodass im Folgenden – und aufgrund der zurzeit noch geringen Marktbedeutung – hierauf nicht näher eingegangen wird.

Nachweise

Rohrabschottungen sind Bauarten, die aus Einzelteilen (Bauprodukten) zusammengestellt werden. Bauarten, zum Beispiel für Rohrabschottungen, benötigen nach deutscher Bauordnung als Nachweis ihrer Verwendbarkeit entweder

ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP), zum Beispiel nach BRL A Teil 3 2.5, 2.6

eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) oder

eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE)

In dem Nachweis der Verwendbarkeit Abb. 5 ist genau geregelt und beschrieben, welche Bauprodukte wie und unter welchen Randbedingungen gemeinsam verwendet werden können und dürfen. Die für die Erstellung der Bauart zu verwendenden Bauprodukte, benötigen einen Übereinstimmungsnachweis Abb. 6. Dieser Nachweis kann nach MBO durch

die Übereinstimmungserklärung des Herstellers (vom Hersteller des Bauproduktes erstellt) nach § 23 MBO oder

das Übereinstimmungszertifikat (wird von einer Zertifizierungsstelle erstellt; zum Beispiel Fremdüberwachung der Produktion) nach § 24 MBO

erbracht werden. Bei beiden Nachweisen bestätigt der Hersteller durch das Aufbringen des Ü-Zeichens auf dem Bauprodukt, dass der Nachweis der Übereinstimmung des von ihm hergestellten Produkts den geltenden Regeln – beispielsweise der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung – entspricht.

Bauarten wiederum werden nicht im Werk („Fabrik“), sondern auf der Baustelle erstellt und können daher auch kein Ü-Zeichen eines Herstellers tragen. Stattdessen muss der Ersteller der Abschottung eine Übereinstimmungsbestätigung ausfüllen und die Abschottung vor Ort mit einem Kennzeichnungsschild (Verwendbarkeitsnachweis abZ oder auch ZiE) versehen. In der Regel ist der Ersteller der Installateur, der am Rohr die Dämmungen und Befestigungen oder Ähnliches anbringt sowie den Verschluss des Ringspaltes zum durchdrungenen Bauteil hin ausführt.

Werden Abschottungen mit einem Verwendbarkeitsnachweis auf Basis eines abP verwendet, ist vom Hersteller der Bauart – hier also der Installateur – nur eine Übereinstimmungserklärung auszufüllen. Eine Kennzeichnung der Abschottung bei Produkten mit abP durch ein Kennzeichnungsschild ist dann nicht erforderlich.

Die am Markt üblichen Verwendbarkeitsnachweise (abP, abZ, ZiE) enthalten ein entsprechendes Formblatt, das als Vorlage verwendet werden sollte. Dies ist dann die Übereinstimmungsbestätigung (bei abZ) beziehungsweise die Übereinstimmungserklärung (bei abP). Hierin bestätigt der Hersteller der Bauart, dass er alle Randbedingungen des jeweils gültigen Nachweises eingehalten hat. Ebenso bestätigt er damit, dass er die erforderlichen Bauprodukte verwendet hat. Die Übereinstimmungsbestätigung/-erklärung stellt also ein zentrales und fundamentales Dokument im baulichen Brandschutz von Rohrdurchführungen dar.

Dokumentation

Die qualifizierte Dokumentation von Rohrabschottungen ist für Bauherren, Betreiber, Architekten und Planer von großer Bedeutung, da sie sich in aller Regel nicht persönlich von der korrekten Ausführung jeder einzelnen Abschottungsmaßnahme überzeugen können. Deshalb ist dringend zu empfehlen, dass vor der baulichen Ausführung und Umsetzung von Rohrabschottungen die Verwendbarkeitsnachweise (abP, abZ oder ZiE) vorgelegt werden. Die ausführenden Firmen sind verpflichtet, diese Nachweise bei Ausführung der Arbeiten auf der Baustelle vorzuhalten.

Nach Abschluss der Arbeiten sind vom ausführenden Unternehmen die entsprechenden Übereinstimmungsbestätigungen oder -erklärungen zu erstellen und dem Auftraggeber – also dem Bauherren oder dessen Vertreter – zu übergeben. Für jedes verwendete Rohrabschottungssystem ist dabei eine gesonderte Bestätigung beziehungsweise Erklärung abzu-geben. Für den Bauherren, Betreiber, Architekten bzw. Planer wird so dokumentiert und bestätigt, dass alle Rohrabschottungen (Bauarten) entsprechend ihrer Verwendbarkeitsnachweise erstellt wurden und dass die entsprechenden Bauprodukte dafür verwendet wurden.

Die Übereinstimmungsbestätigung/-erklärung ist dabei allerdings nicht mit der Fachunternehmererklärung aus der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) zu verwechseln.

Weitere Regelungen zum Übereinstimmungsnachweis ergeben sich aus den Bauordnungen, basierend auf § 22 MBO. Hier wird geregelt, dass nicht wesentliche Abweichungen, wenn diese entsprechend bestätigt und bescheinigt sind, ebenfalls als Übereinstimmung gelten. Details dazu behandelt Teil 2 der Artikelserie in der TGA-Ausgabe 03-2016.

Inhaltsübersicht

  1. Teil: Fachgerechter Umgang mit abP, abZ und ZiE
  2. Teil: Markus Berger
  • 2  Dieses Bild kennt jeder Planer und Fachhandwerker: die Konfliktsituationen im Kampf der Versorgungsleitungen um den Platz im Schacht.

  • 4  Beispiel für die Bauart „Abschottung“; hier mit Viega Profipress R90.

  • 5  Beispiel für einen Verwendbarkeitsnachweis; hier das Deckblatt eines Prüfzeugnisses.

  • 6  Beispiel für eine Übereinstimmungserklärung.

Viega

Viega

Viega

Viega

  • Zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere TGA online Inhalte

Nach Schlagworten:

› Bauprodukt (41%)

Weitere Links zum Thema:

 
tga Wissenscheck

Testen Sie Ihr Wissen
und lernen Sie dazu!

Jetzt Wissen checken