Zukunft Altbau / Daniel Döbler
Mit Solarstromspeichern kann man inzwischen viel Geld sparen. Ein paar Kennzahlen reichen aus, um die Wirtschaftlichkeit des Speichers zu ermitteln. Darauf weist das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau hin.
Neue Photovoltaikanlagen auf dem Hausdach oder an der Fassade erzeugen Strom für durchschnittlich nur noch rund 10 bis 13 ct/kWh und sind damit deutlich günstiger als Netzstrom, der derzeit im Schnitt bei etwa 33 ct/kWh liegt. Wer Solarstrom selbst nutzt, spart also einen zweistelligen Centbetrag pro Kilowattstunde. Batteriespeicher erhöhen den Anteil des selbst verbrauchten Solarstroms: ihre Anschaffung ist inzwischen meist profitabel. Das ist insbesondere deshalb interessant, da die Alternative Stromnetzeinspeisung für Neuanlagen mit rund 8 ct/kWh nicht kostendeckend ist und künftig sogar ganz wegfallen könnte.
Die Nachfrage nach den kompakten Heimspeichern ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) waren Anfang 2026 rund 2,4 Mio. Hausbatteriespeicher in Deutschland in Betrieb. „Allein 2025 wurden in Deutschland mehrere Hunderttausend Systeme installiert“, sagt Frank Hettler von Zukunft Altbau. „Bei neuen Photovoltaikanlagen zählen sie inzwischen zur Standardausstattung.“ Inzwischen haben sinkende Preise ihre Wirtschaftlichkeit deutlich verbessert. Die Kosten liegen heute zwischen rund 300 bis 500 Euro/kWh Kapazität. Hinzu kommen noch geringe Zusatzkotzen für die Installation durch einen Fachbetrieb.
In 3 Schritten zur eigenen Wirtschaftlichkeitsrechnung
Kern der Wirtschaftlichkeitsrechnung ist die Frage, wie viel Solarstrom der Speicher über seine Lebensdauer tatsächlich bereitstellt und welche Stromkosten man dadurch vermeidet. „Gut ausgelegte Systeme erreichen in Einfamilienhäusern typischerweise 200 bis 250 Vollzyklen pro Jahr, also vollständige Be- und Entladungen“, sagt Birgit Groh vom Deutschen Energieberater-Netzwerk (DEN). „Die vom Speicher insgesamt zur Verfügung gestellte Energiemenge ergibt sich aus den Faktoren Vollzyklen pro Jahr, Speicherkapazität in Kilowattstunden und Lebensdauer in Jahren.“ Zu berücksichtigen sind außerdem typische Speicherverluste von etwa 15 %, die durch Be- und Entladen sowie Stand-by-Verbrauch entstehen.
So können Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer die Wirtschaftlichkeit des Speichers in drei Schritten selbst grob überschlagen. Ein Beispiel:
1. Zuerst muss man die Ersparnis berechnen, die sich daraus ergibt, dass man statt einer Kilowattstunde Strom aus dem Netz eine selbst erzeugte und gespeicherte Kilowattstunde nutzt. Eine Kilowattstunde aus dem Netz kostet rund 33 ct. Für das Einspeisen des eigens produzierten Stroms würde man knapp 8 ct erhalten. Die Ersparnis pro Kilowattstunde beträgt somit rund 25 ct, nutzt man den Solarstrom selbst.
2. Danach ermittelt man die Kosteneinsparung pro Kilowattstunde Speicherkapazität über die Lebensdauer der Batterie: Dabei kann man von 225 Vollzyklen pro Jahr ausgehen. Das heißt eine Kilowattstunde der Batterie wird in einem Jahr 225-Mal durch die eigene Photovoltaikanlage vollgeladen und durch die Eigennutzung des Stroms wieder vollständig entladen. Somit spart man rechnerisch über 15 Jahren Lebensdauer rund 840 Euro/kWh Speicherkapazität ein (225 Zyklen multipliziert mit 25 ct Ersparnis hochgerechnet auf die 15 Jahre).
3. Schließlich zieht man noch die Speicherverluste ab: Abzüglich der Verluste von 15 % bleiben etwa 720 Euro Ersparnis pro Kilowattstunde Speicherkapazität über die Lebensdauer der Batterie übrig. Liegen die Anschaffungskosten des Batteriespeichers pro Kilowattstunde Kapazität unter diesem Wert, ist der Speicher voraussichtlich wirtschaftlich, liegen sie darüber, rechnet er sich finanziell eher nicht.
Branchenstudien sehen die Wirtschaftlichkeitsgrenze in einer ähnlichen Größenordnung; bei etwa 600 bis 700 Euro/kWh. Mögliche Änderungen am Zählerschrank, die zusätzliche Kosten verursachen, sind in der Kostenkalkulation nicht enthalten.
Zukunft Altbau informiert
Fragen beantwortet das Team von Zukunft Altbau kostenfrei am Beratungstelefon unter 0 80 00/12 33 33 (Mo bis Fr von 9–13 Uhr) oder per E-Mail an beratungstelefon@zukunftaltbau.de
Tipps: Speichergröße richtig wählen und variablen Stromtarif nutzen
Für die Praxis gilt: „Der Speicher sollte nicht wesentlich größer sein als der Jahresstromverbrauch in Megawattstunden“, so Frank Hettler von Zukunft Altbau. „Ein Haushalt mit 6000 kWh Jahresverbrauch, das sind 6 MWh, fährt in der Regel mit einer Speicherkapazität von rund 6 bis 8 kWh gut. Mit Blick auf eine Zukunft mit Elektroauto und Wärmepumpe kann allerdings bereits heute die Anschaffung eines größeren Speichers sinnvoll sein.“ Die Leistung der Photovoltaikanlage in Kilowatt sollte mindestens so hoch sein wie die Speicherkapazität in Kilowattstunden, damit der Speicher in ausreichend vielen Stunden vollgeladen werden kann. Ein guter Aufstellort im Haus ist ein Raum mit moderaten Temperaturen zwischen 5 und 20 °Celsius. Das maximiert die Lebensdauer.
Zusätzliche Ertragspotenziale bietet die Kombination mit variablen Stromtarifen: Seit Anfang 2025 müssen alle Stromversorger solche Angebote machen. Sie geben die Börsenpreisschwankungen an die Kundschaft weiter. In Zeiten niedriger Börsenpreise und geringem oder fehlendem Solarertrag kann der Speicher günstigen Netzstrom aufnehmen und später – wenn die Preise hoch sind oder die Solaranlage keinen Strom liefert – im Haushalt bereitstellen. Dann ist auch eine größere Speicherkapazität sinnvoll, die sowohl den eigenen Solarstrom als auch günstigen Netzstrom nutzt. Zukünftig können auch Elektroautos mit bidirektionaler Ladefunktion die lokale Speicherkapazität weiter vergrößern und das Stromnetz entlasten.
Gute Angebote erkennen und vergleichen
Wer einen Solarstromspeicher installieren möchte, sollte mehrere Vergleichsangebote von qualifizierten Fachbetrieben aus der Region einholen. Spezialisierte Solarteure, Fachkräfte für Solartechnik und Elektrofachbetriebe informieren über Effizienz, Lebensdauer, Preise und die passende Größe des Speichers. Für Baden-Württemberg stellt das Photovoltaik-Netzwerk eine Übersicht über Solarteurbetriebe zur Verfügung (www.photovoltaik-bw.de/pv-netzwerk/solarteurbetriebe).
Bei der Auswahl helfen auch herstellerunabhängige Tests: Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) etwa untersucht jährlich eine Vielzahl von Heimspeichern und bewertet sie. Die aktuellen Ergebnisse der „Stromspeicher-Inspektion“ sind online abrufbar und erleichtern die Auswahl qualitativ hochwertiger Systeme: solar.htw-berlin.de/studien/stromspeicher-inspektion-2026.
Batteriespeicher: Lohnt sich eine Nachrüstung bei älteren Photovoltaikanlagen?
Für Photovoltaikanlagen, die aus der Einspeisevergütung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gefallen sind, lohnen sich Solarstromspeicher besonders. Da nur noch geringe Betriebs- und Wartungskosten bei der abgeschriebenen Solaranlage anfallen, ist der Solarstrom vom Dach mit 3 bis 4 ct/kWh besonders günstig. Eigenverbrauch und Speicherung werden damit besonders attraktiv. In Deutschland gibt es über 5,5 Mio. Hausdachanlagen, die nach und nach in die vergütungsfreie Phase eintreten – ein enormes Potenzial für zusätzliche Speicherinstallationen.
Für ältere, nicht abgeschriebene Photovoltaikanlagen mit weiterlaufender Einspeisevergütung sieht die Sache schon schwieriger aus. Ist die Anlage beispielsweise 15 Jahre alt und hat der Solarstrom aus der Anlage einen Wert von 17 ct/kWh, muss der Speicher pro Kilowattstunde Speicherkapazität unter 460 Euro kosten.