ZVEH
Der ZVEH begrüßt die Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts, kritisiert aber die Verlagerung von Verpflichtungen auf Kund:innen und den angedachten „Smart Meter Light“.
Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) begrüßt die Ankündigung der Bundesregierung, den Smart-Meter-Rollout zu beschleunigen. Demnach sollen mehr als 90 % der relevanten Messstellen bereits bis 2030 mit intelligenten Messsystemen (iMSys) ausgestattet sein, statt wie ursprünglich geplant bis 2032. Diese Maßnahme zur „Planungsbeschleunigung Verteilnetze“ sei jedoch nur ein erster Schritt, um den Einbau von iMSys und Steuerungstechnik voranzutreiben, so Andreas Habermehl, ZVEH-Geschäftsführer Technik und Berufsbildung.
Bessere Einbindung der E-Handwerke gefordert
Der ZVEH spricht sich dafür aus, den Smart-Meter-Rollout stärker an den Installations- und Inbetriebnahmeprozessen im Fachhandwerk auszurichten. In der Praxis erhalten Kund:innen und Handwerker:innen nach der Installation von Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen), Batteriespeichern, Wärmepumpen oder Ladestationen oft keine Informationen von den Messstellenbetreibern (MSB) darüber, wann ein iMSys und die benötigte Steuerungstechnik verbaut werden. Der Verband schlägt vor, dieses Problem durch klare gesetzliche Fristen zu lösen.
Eine noch effektivere Lösung wäre dem ZVEH zufolge, wenn installierende Betriebe die iMSys und Steuerungstechnik selbst einbauen könnten. Die Vorteile einer solchen stärkeren Einbindung der Fachhandwerke liegen in ihrer Kenntnis der Kunden und der Gegebenheiten vor Ort, ihrer technischen Qualifikation sowie ihrer Erfahrung. Für eine verbesserte Integration müssten jedoch Prozesse klarer definiert und Schnittstellen zwischen Netzbetreibern, Messstellenbetreibern und Elektroinstallationsbetrieben praxistauglich gestaltet werden. Habermehl ist überzeugt: „Gelingt das, kann der Smart-Meter-Rollout praxisnäher, schneller und kundenfreundlicher umgesetzt werden.“
Verpflichtungen nicht auf Kunden abwälzen
Habermehl betont, dass die Verpflichtung zur Umsetzung des Rollouts grundsätzlich beim grundzuständigen Messstellenbetreiber liegt. Daher plädiert der Verband dafür, den Messstellenbetreibern feste Fristen vorzugeben, innerhalb derer sie iMSys und Steuerungstechnik nach der Installation von PV-Anlagen, Wärmepumpen oder Ladestationen bereitstellen müssen.
Andreas Habermehl kritisiert: „Dass sich die Kund:innen selbst darum kümmern sollen, frühzeitig ein iMSys oder eine Steuerbox zu erhalten, ist daher der falsche Ansatz und wälzt die Verpflichtung der Messstellenbetreiber ab.“ Aus diesem Grund lehnt der ZVEH eine iMSys-Bestellpflicht strikt ab, wie sie im Zuge der Änderung der „Bundesförderung Effiziente Gebäude“ (BEG) geplant ist. Diese sieht vor, Wärmepumpen nur noch zu fördern, wenn der Kunde bereits ein iMSys inklusive Steuerungsbox beim Messstellenbetreiber beantragt hat.
Skepsis gegenüber „Smart Meter Light“
Einen sogenannten „Smart Meter Light“ für Kund:innen, die nicht dem verpflichtenden Rollout unterliegen, hält der ZVEH nicht für praxistauglich. Der Verband argumentiert, ein Smart Meter Light fördere Doppelstrukturen und verkompliziere den Rollout-Prozess.
→ Positionspapier Smart Meter Rollout hier abrufen
Dies gelte insbesondere, wenn sich die Anforderungen der Kund:innen im Laufe der Zeit ändern, beispielsweise durch die Installation einer PV-Anlage, Wärmepumpe oder Ladestation. In solchen Fällen müssten die Betriebe nachträglich auf eine vollwertige Lösung umrüsten. Habermehl warnt: „Dann fallen erneut Kosten für eine Installation sowie neue Abstimmungsprozesse an. Das ist Kund:innen kaum vermittelbar.“ Zudem müssten für den Smart Meter Light zunächst Standardisierungs- und Zertifizierungsprozesse aufgesetzt werden, was den Rollout wiederum bremse. ■
Quelle: ZVEH / ml