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Wärmewende

Techem-Studie: 50 % der Mehr­familien­häuser sind WP-ready

Der Techem CO2-Index zeigt: Gebäude, die über Wärmepumpen (Strom aus dem deutschen Strommix) versorgt werden, liegen bereits jetzt mit einem Index von 90 % unterhalb der Emissionsziele für 2030.

Techem

Der Techem CO2-Index zeigt: Gebäude, die über Wärmepumpen (Strom aus dem deutschen Strommix) versorgt werden, liegen bereits jetzt mit einem Index von 90 % unterhalb der Emissionsziele für 2030.

Heizungsanlagen mit Heizkörpern bestehender Mehr­familien­häuser sind zur Hälfte und zu 90 % nach Heizkörper­tausch für den Einsatz von Wärme­pumpen geeignet.

Wie kann es uns gelingen, den Energieverbrauch zu senken, die Effizienz zu steigern sowie erneuerbare und CO2-neutrale Energiequellen in der Breite zu etablieren? Die aktuelle Techem Verbrauchskennwerte-Studie 2022 liefert dazu relevante Einblicke. Sie basiert auf der Auswertung und Analyse von Daten aus dem Jahr 2022 zu Verbrauch sowie Kosten für Heizung und Warmwasser aus 1,4 Mio. Wohnungen in rund 120 000 Mehrfamilienhäusern in Deutschland. Die Studie gibt Einblicke in den Ist-Zustand der Energieversorgung und legt Potenziale zur Effizienzsteigerung sowie Emissionsvermeidung in deutschen Wohngebäuden offen.

Sehr interessante Einblicke liefert die Ergebnisübersicht zur den in der Praxis erreichten Jahresarbeitszahlen monovalenter Anlagen mit und ohne Trinkwassererwärmung, in denen die Wärmepumpe alleiniger Wärmeerzeuger ist, siehe unten.

Wichtigste Ergebnisse der Verbrauchskennwerte-Studie 2022

● Erdgas bleibt mit einem Anteil von 51 % an der Heizenergie in Mehrfamilienhäusern dominierend. Gleichzeitig hat die Nutzung von Heizöl weiter nachgelassen und stellt inzwischen weniger als 10 % der Energieträger dar. Holz und Strom nehmen als Energiequellen für Raumheizung und Trinkwarmwasser stetig zu. Wärmepumpen gewinnen an Boden, obwohl ihre Nutzung im Vergleich zu traditionelleren Wärmeerzeugern noch begrenzt ist.

● Wärmepumpen kommt bei der Energiewende eine Schlüsselrolle zu. Die Heizungsanlagen des Gebäudebestandes von Mehrfamilienhäusern in Deutschland, der derzeit mit Heizkörpern beheizt wird, sind bereits zur Hälfte oder sogar zu 90 % (nach Heizkörpertausch) für den Einsatz von Wärmepumpen geeignet. Allerdings weisen Wärmepumpen ein beträchtliches Optimierungspotenzial von durchschnittlich etwa 25 % auf – bei einem Drittel der Anlagen noch deutlich mehr.

● Monitoring und optimierte Betriebsführung können den Endenergieverbrauch von Gebäuden um 10 bis 15 % senken und somit einen wertvollen Beitrag zur Energieeffizienz leisten. Dies führt in der Regel zu einer besseren Emissionsklasse des Gebäudes und damit zu geringeren Kosten sowie zu deutlichen Einsparungen bei den CO2-Emissionen. Solche Effizienzmaßnahmen könnten in deutschen Mehrfamilienhäusern zu einer jährlichen Reduktion von etwa 4 Mio. t/a CO2-Äquivalent führen.

● Ein besonderer Fokus liegt auf dem neuen CO2-Index von Techem. Dieser bietet eine objektive Bewertung des CO2-Ausstoßes verschiedener Energieträger und ist ein nützliches Instrument, um den Fortschritt bei der Reduzierung von CO2-Emissionen zu messen und zu verfolgen. Für 2022 zeigt der Index, dass die Emissionsziele für 2030 im Techem-Abrechnungsbestand um 60 % überschritten wurden. Hierbei weisen Erdgas, Fernwärme und insbesondere Strom bessere Emissionswerte als Heizöl auf.

Dr. Arne Kähler, Head of Techem Research Institute on Sustainability (Trios): "Mit dem neu entwickelten Techem CO2-Index können die Fortschritte bei der Reduzierung der CO2-Emissionen im Wärmebereich für Mehrfamilienhäuser überwacht und bewertet werden. So überschreiten im Jahr 2022 heizölversorgte Gebäude die deutschen Emissionsziele für 2030 um 130 %. Gebäude, die mit elektrisch betriebenen Wärmepumpen versorgt werden, liegen bereits jetzt mit einem Index von 90 % unterhalb der Emissionsziele – basierend auf dem deutschen Strommix.“

Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern

Laut der Studie zeigen die mittlere Jahresarbeitszahl von 3,05 (nicht verbundene Anlagen 3,63 und verbunden Anlagen 2,78) sowie die Verteilung der Jahresarbeitszahlen, dass Gebäude mit Wärmepumpen trotz erkennbarem Optimierungspotenzial ausreichend effizient beheizt werden können. Allerdings handelt es sich bei den ausgewerteten Gebäuden überwiegend um solche mit Fußbodenheizungen.

Jahresarbeitszahlen von Wärmepumpen 2022 von nicht verbundenen Anlagen (Raumheizung). Ausgewertet wurden monovalente Anlagen, in denen die Wärmepumpe alleiniger Wärmeerzeuger ist und in denen die Wohnungen mit Wärmezählern ausgestattet sind. Die Jahresarbeitszahlen wurden ermittelt aus dem mit den Wohnungswärmezählern gemessenen Wärmeverbrauch der Gebäude und dem zugehörigen Stromverbrauch der Wärmepumpe. Dabei wurden mittlere Verteilverluste von 25 % angesetzt. Dieser Wert wurde zuvor durch eine Auswertung fernwärmeversorgter Gebäude ermittelt, die ebenfalls mit Wohnungswärmezählern ausgestattet sind.

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Jahresarbeitszahlen von Wärmepumpen 2022 von nicht verbundenen Anlagen (Raumheizung). Ausgewertet wurden monovalente Anlagen, in denen die Wärmepumpe alleiniger Wärmeerzeuger ist und in denen die Wohnungen mit Wärmezählern ausgestattet sind. Die Jahresarbeitszahlen wurden ermittelt aus dem mit den Wohnungswärmezählern gemessenen Wärmeverbrauch der Gebäude und dem zugehörigen Stromverbrauch der Wärmepumpe. Dabei wurden mittlere Verteilverluste von 25 % angesetzt. Dieser Wert wurde zuvor durch eine Auswertung fernwärmeversorgter Gebäude ermittelt, die ebenfalls mit Wohnungswärmezählern ausgestattet sind.

Der größte Teil der bestehenden Gebäude ist jedoch mit Heizkörpern ausgestattet. Für einen effizienten Betrieb von Wärmepumpen ist es entscheidend, dass die Heizkörper mit möglichst niedrigen Vorlauftemperaturen arbeiten zu können. Häufig kann dafür eine schon seit der Errichtung und / oder durch Teilmodernsierungen entstandene Leistungsreserve genutzt werden.

Wenn die Heizkörper ausreichend groß sind, dass bei der Normaußentemperatur (tiefstes zu erwartendes Zweitagesmittel, je nach Region zwischen − 10 °C und − 16 °C) eine Heizmitteltemperatur von höchstens 55 °C genügt, ist ein Wärmepumpenbetrieb effizient möglich. Um zu beurteilen, ob dafür die Heizkörper ausreichend groß sind, Für die Beurteilung wurden die Endenergieverbräuche, die installierten Heizkörperleistungen und weitere Daten von über 130 000 Gebäuden in Deutschland analysiert und die Heizleistungsreserve bezogen auf die verbreitete Heizungsauslegung 70/50/20 °C ermittelt. Eine Heizleistungsreserve von etwa 40 % ist dann ausreichend, um den Einsatz von Wärmepumpen mit niedrigen Betriebstemperaturen in der Heizperiode zu ermöglichen.

Die Techem-Auswertung zeigt, dass dies bereits bei 50 % der Bestandsgebäude ohne weitere Maßnahmen der Fall ist. Hier sind die Heizkörper so großzügig dimensioniert, dass auch bei den für einen effizienten Wärmepumpenbetrieb notwendigen niedrigen Systemtemperaturen die benötigte Wärme an die Räume übertragen werden kann. Bei weiteren etwa 40 % der Gebäude liegt die Heizkörperleistungsreserve bezogen auf die Auslegung 70/50/20 °C zwischen 0 und 40 %, sodass die Gebäude durch den Austausch von Heizkörpern „Wärmepumpen-ready“ werden können.

Siehe auch: Auslegung von Wärmepumpen über Jahresverbrauchsdaten

Die Verbrauchskennwerte-Studie von Techem …

… dokumentiert den Energie- und Wasserverbrauch sowie die Kosten für Heizung und Warmwasser in deutschen Wohnungen. Die Analyse basiert im Wesentlichen auf Daten des Kalenderjahres 2022, die im Rahmen regelmäßiger Auswertungen von Verbrauchsabrechnungen von 1,4 Mio. Wohnungen in rund 120 000 Mehrfamilienhäusern anonymisiert erhoben und für die Erstellung der Heizkostenabrechnung verwendet wurden. Techem gibt die Energiekennwerte seit der Heizperiode 1998/99 als Broschüre heraus. Die VKW-Studie und alle Infografiken stehen als Download zur Verfügung.  ■
Quelle: Techem / jv

Der Artikel gehört zur TGA+E-Themenseite mit Arbeitshilfen

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