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GEG-Novelle

Umweltverbände: Gebäudeenergiegesetz nicht für Holz öffnen!

Marco2811 – stock.adobe.com

Mehrere Umweltorganisationen warnen die Ampelparteien davor, Holz und Holzpellets innerhalb des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) als nachhaltig einzustufen und zu fördern.

Zuletzt hatte es aus Regierungskreisen Signale dafür gegeben, unter dem Stichwort „Technologieoffenheit“ das GEG weiter in Richtung Holz zu öffnen. Die Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace, NABU, Robin Wood und WWF zeigen sich alarmiert darüber, eine Verbrennungstechnologie – auf Basis von Kohle und Gas – durch eine andere ersetzen zu wollen, die ebenfalls klimaschädlich sei. Die wissenschaftliche Datenlage zeige eindeutig, dass Holz nicht in Öfen landen dürfe, damit die Klimaziele erreicht und die Artenvielfalt geschützt werden.

Die Umweltorganisationen führen an, dass schon heute die Wälder in Deutschland und global übernutzt sind, was verheerende Konsequenzen für die Biodiversität habe und Wälder drohen immer mehr zur CO2-Quelle zu werden. Die Nutzung von Holz steige in allen Bereichen stetig an, was die Entwaldung und Degradierung weiter beschleunige. Würde der globale Energiebedarf nur mit Holz gedeckt, wären die Wälder der Welt nach einem Jahr nahezu ausgelöscht. Deutschland importiere schon jetzt enorme Mengen an Holz. Der Anteil an der EU-Holzernte, welcher in die Verbrennung geht, ist von 40 % in 2005 bereits auf 55 % in 2017 gestiegen.

„Mit Holz heizen, ist kein Beitrag zum Klimaschutz“

Bei der Verbrennung von Holz wird das vom Baum zuvor gebundene CO2 freigesetzt. Da die in Holz gespeicherte Energie geringer ist als in Kohle und Erdgas, wird bei der Holzverbrennung bis zu doppelt so viel CO2 freigesetzt, um die gleiche Wärmemenge zu erhalten. Das freigesetzte CO2 kann erst sehr langsam über die nächsten Jahrzehnte in Bäumen wieder gebunden werden – Zeit, die man im Klimaschutz nicht mehr habe, insbesondere mit Blick auf Kipppunkte. Die Umweltorganisationen betonen: Mit Holz zu heizen, ist daher kein Beitrag zum Klimaschutz. Zudem setze das Verbrennen von Holz gesundheitsschädliche Stoffe frei – vor allem Feinstaub, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Stickoxide (NOx).

Holz: Wertvoll aber begrenzt

Holz ist ein wertvoller Rohstoff, der nur sehr begrenzt zur Verfügung steht. Er dürfe deshalb nur in Ausnahmefällen für Heizzwecke herangezogen werden, wenn keine Alternativen zur Verfügung stehen. Wenn die Nachfrage nach Holzpellets weiter steigt, würden die heimischen Sägereste absehbar nicht ausreichen und es müsse verstärkt auf Importe zurückgegriffen werden. In vielen Pellet-Exportländern wie Estland oder Rumänien mehren sich bereits jetzt Berichte über Einschläge in artenreichen Naturwäldern. Auch das Umweltbundesamt befürchtet „nennenswerte Umweltschäden“, wenn das GEG den Ausbau von Holzheizungen nicht ausreichend eindämmt (Holzheizungen: Schlecht für Gesundheit und Klima).

Die Umweltorganisationen appellieren an die Ampelparteien, sich ehrlich zu machen: „Holz zu verheizen ist ebenso klimaschädlich wie H2-ready-Optionen als Schlupfloch zuzulassen und damit wichtige Maßnahmen zu verzögern. Mit H2-ready-Optionen ist die breite Anwendung von Wasserstoff im Gebäudesektor beschrieben, der hier aktuell und mittelfristig nicht zur Verfügung steht. Was es stattdessen braucht, ist eine sozial gerechte Förderpolitik insbesondere in der Gebäudesanierung, kombiniert mit einer kommunalen Wärmeplanung und dem Voranbringen geeigneter klimafreundlich nutzbarer Technologien wie Wärmepumpen.“

Siehe auch:
65-%-Erneuerbare: H2-ready ist keine reale Erfüllungsoption

Die 65-Prozent-EE-Vorgabe braucht Fokus auf Wärmepumpen

Hoher Druck auf die Politik

Wie hoch der Druck auf die Politik in Sachen Holzwärme bei der GEG-Novelle zum künftigen Heizen mit mindestens 65 % erneuerbarer Energie ist, zeigen exemplarisch ein Appell aus der Holzbe- und -verarbeitung und eine Petition:

Der Landesinnungsverband für das hessische und rheinland-pfälzische Tischlerhandwerk drängt im Namen seiner Mitgliedsbetriebe bei Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck auf Änderungen beim zu überarbeitenden Regierungsentwurf des Gebäudeenergiegesetzes (Fachverband erhebt Einspruch): „Erlange dieser in der vorliegenden Form Gesetzeskraft, dürften Betriebe der Holzbe- und -verarbeitung ihre eigenen Holzreste – wie bisher üblich – nicht mehr energetisch nutzen.“

Mit der Petition 150229 wird gefordert, „die geplante Änderung des Gebäudeenergiegesetzes nicht zu beschließen, da sie den Todesstoß für unsere Wälder und damit auch für das Klima bedeutet.“ In der Begründung heißt es: „Das geplante Verbot von Biomasseheizungen (Holz-, Hackschnitzel- und Pelletheizungen) im Neubau und die ebenfalls gravierende Einschränkung im Bestand werden dazu führen, dass fast kein Schadholz mehr aufgearbeitet wird. Das wiederum bringt eine massive Ausbreitung von Kahlflächen durch den Borkenkäfer mit sich. Der Waldumbau – hin zu einem klimabeständigeren Mischwald – kommt zum Stillstand. Es wäre ein nie da gewesener, politisch verursachter Eingriff in unser Ökosystem.“ ■
Quelle: WWF / jv

Im Kontext:
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