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Energiepolitik

Deutschland erreicht den Tag der En­er­gie­ab­hän­gig­keit

Am 5. Mai erreicht Deutschland den „Tag der Energieabhängigkeit“.

Julia - stock.adobe.com

Am 5. Mai erreicht Deutschland den „Tag der Energieabhängigkeit“.

Am 5. Mai erreicht Deutschland den sogenannten „Tag der Energieabhängigkeit“. Rein rechnerisch ist dies der letzte Tag im Jahr, an dem der Energiebedarf noch durch heimische Produktion gedeckt werden kann. Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) kritisiert die hohe Importabhängigkeit und warnt vor einer Schwächung des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG).

Die deutsche Energieimportabhängigkeit liegt mit etwa 66 % (Stand 2025) über dem EU-Durchschnitt. Die Europäische Union erreicht den Tag der Energieabhängigkeit erst am 5. Juni, bei einer Abhängigkeit von rund 57 % (Stand 2024). Zum Vergleich: Die USA verzeichnen einen Exportüberschuss, während China diesen Tag erst am 4. Oktober erreicht. Rumänien ist am 19. September und Estland am 17. Dezember noch selbstversorgend. Die Sperrung der Straße von Hormus seit über zwei Monaten verdeutlicht die Anfälligkeit der globalen Energieversorgung für politische Konflikte.

Kritik an der aktuellen Energiepolitik

Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deneff, bezeichnet die Situation als „alarmierendes Signal“. Er stellt fest, dass der Energiebedarf derzeit hauptsächlich aufgrund der schwächeren Konjunktur sinkt, nicht durch gesteigerte Effizienz. Dies sei für Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand in Deutschland problematisch. Die Initiative warnt davor, das EnEfG abzuschwächen, da dies die Importabhängigkeit weiter erhöhen würde.

Die geplante Novelle des EnEfG sieht vor, die verbindlichen Einsparbeiträge von Bund und Ländern zu streichen. Diese verpflichten bislang zu zielgerichteten Förderprogrammen und Maßnahmen für alle Sektoren. Zudem soll der Schwellenwert für Energiemanagementsysteme von 7,5 auf 23,6 GWh angehoben werden, wodurch 7800 Unternehmen aus der Pflicht fallen würden. Auch Regelungen zur Nutzung von Abwärme, deren Potenzial in Deutschland bei 385 Mrd. kWh liegt – etwa die Hälfte des Wärmebedarfs aller Gebäude –, sollen radikal reduziert werden. Noll kritisiert diese Pläne als „strukturellen Kahlschlag“.

Effizienz als strategische Reserve

Die Unternehmensinitiative betont die bisherigen Erfolge der Energieeffizienz. Ohne die seit dem Jahr 2000 erreichte Steigerung der Energieproduktivität läge der Energieverbrauch heute 13 % höher, und die Importabhängigkeit bei über 80 % statt bei den aktuellen zwei Dritteln.

Als Alternative zu einer strategischen Gasreserve schlägt die Deneff eine „strategische Effizienzreserve“ vor. Ein Paket aus einfachen Effizienzmaßnahmen könnte den Energieverbrauch in ähnlicher Größenordnung senken – dauerhaft und ohne zusätzliche Importkosten. Allein durch schnell umsetzbare Maßnahmen ließe sich ein Drittel der benötigten Einsparungen bereits innerhalb von 12 Monaten realisieren. Im Gebäudebereich könnten durch Heizungsoptimierung, effizientere Gebäudetechnik und Maßnahmen an der Gebäudehülle bis zu 10 TWh im ersten Jahr eingespart werden. In der Industrie ließen sich durch die effizientere Nutzung von Wärme und Strom ebenfalls bis zu 10 TWh im ersten Jahr einsparen.

Noll unterstreicht die Bedeutung: „Energieeffizienz ist nationale Sicherheit. Wer über strategische Gasreserven diskutiert und gleichzeitig Effizienzgesetze aufweicht, spielt mit der Versorgungssicherheit.“ Würde der Energieverbrauch entsprechend den Zielen des Energieeffizienzgesetzes bis 2045 um etwa 45 % sinken, könnte sich die Importabhängigkeit rechnerisch auf etwa 38 % reduzieren. Der Tag der Energieabhängigkeit würde sich damit auf etwa Mitte August verschieben. ■
Quelle: Deneff / fl