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Trotz der hohen Stabilität des deutschen Stromnetzes – im Schnitt fällt pro Haushalt nur etwa zwölf Minuten im Jahr der Strom aus – können lokale Ausfälle durch Sabotage, Naturkatastrophen oder Defekte gravierende Folgen haben. Besonders im Winter drohen Schäden und Streitigkeiten mit Versicherungen. Solaranlagen mit Not- oder Ersatzstromfunktion und Batteriespeicher bieten hier wirksamen Schutz.
„Photovoltaik ist in der Lage, im Notfall dezentral und ohne funktionierenden Netzzugang die Energieversorgung sicherzustellen. Das dient der Krisensicherheit der Betreiber und steigert die Resilienz unseres Energiesystems“, erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar). Solaranlagen können bei entsprechender Ausstattung Haushalte temporär mit Strom versorgen.
Technische Voraussetzungen und Funktionsweise
Für die Notstromversorgung durch eine Photovoltaik-Anlage sind ein inselbetriebsfähiger Wechselrichter, der eigenständig eine Netzfrequenz herstellen und den Betrieb der Anlage unabhängig vom öffentlichen Stromnetz ermöglichen kann, sowie ein Batteriespeicher unerlässlich. Die Dauer der Stromversorgung im Notfall hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab, darunter die genutzten Komponenten, die Größe und der Ladestand des Speichers, das individuelle Verbrauchsprofil der Betreiber sowie die Sonneneinstrahlung während der Krise.
Für Planer und Installateure empfiehlt es sich, bei der Konzeption neuer PV-Anlagen die Möglichkeiten einer Not- und Ersatzstromfunktion von vornherein zu berücksichtigen. Die Mehrkosten für die entsprechende technische Ausstattung sind in der Regel überschaubar. Auch bei bestehenden PV-Anlagen ist eine Nachrüstung mit Notstrom- oder Ersatzstromfunktion in vielen Fällen technisch umsetzbar.
Notstrom vs. Ersatzstrom: Die Unterscheidung
Grundsätzlich wird bei notstromfähigen PV-Anlagen zwischen zwei Hauptvarianten unterschieden:
● Notstromfunktion: Diese technisch einfachere Variante ermöglicht die Versorgung einzelner Geräte über eine separate Steckdose am Speicher oder Wechselrichter. Die Geräte müssen im Falle eines Netzausfalls manuell umgesteckt werden. Alternativ kann ein separater Stromkreis ausschließlich für den Fehlerfall genutzt werden.
● Ersatzstromfunktion: Diese umfassendere Lösung ermöglicht die Versorgung eines Teilnetzes (einer einzelnen Phase) oder des gesamten Hausnetzes. Hierfür sind ein inselbetriebsfähiger Batteriewechselrichter und eine Netztrennungseinrichtung erforderlich. Bei Ausfall der öffentlichen Versorgung trennen diese Anlagen die häuslichen Stromkreise automatisch vom Netz und schalten auf Inselbetrieb um, wobei die Elektro-Installation und die angeschlossenen Geräte aus der Batterie versorgt werden.
Ein entscheidender Vorteil ist die Möglichkeit, die Batterie im Notstrombetrieb aus der PV-Anlage nachzuladen, was die Versorgungsdauer bei Sonneneinstrahlung erheblich verlängern kann. Fachbetriebe sollten im Einzelfall klären, ob diese Funktion in der gewählten Systemvariante realisierbar ist.
Notstromlösungen auch für Mieter
Nicht nur Hausbesitzer profitieren von diesen Technologien. Auch Mieter in Mehrfamilienhäusern, die über kein eigenes Dach mit PV-Anlage verfügen, können sich mit Batteriespeichern auf den Notfall vorbereiten. Einige Anbieter vertreiben Steckersolargeräte in Kombination mit Batteriespeichern, die Notstrom-Steckdosen integrieren. Für Anwender ohne Installationsmöglichkeiten für Solarmodule bieten tragbare Batterie-Powerstations eine weitere Option zur Notstromversorgung. ■
Quelle: BSW-Solar / fl