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Emissionen

Nur was man sehen und spüren kann, ist es ein Problem?

„Straf­zölle ge­gen Kana­da we­gen Wald­brand­rauch und unter­lasse­ner Be­sei­ti­gung von Ge­strüpp. Da­rü­ber darf man schmun­zeln. Man könnte sich aber auch an­ge­spro­chen fühlen.“

GV

Als im Juli 2026 viel Rauch von Waldbränden in Kanada über den Nordosten der USA abzog, forderte US-Präsident Donald Trump, dass das Nachbarland für die Kosten der Verschmutzung zahlen soll. Die den USA entstehenden Kosten müssten den bestehenden Zöllen auf kanadische Importe hinzugerechnet werden, teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit.

Die Brände würden erst möglich, weil Kanada seine Wälder und darin befindliches „Gestrüpp“ nicht richtig pflegen würde. Die USA würden dadurch unnötigerweise mit ungesunder Luft belastet. Wie weit die Gestrüpp-Theorie auch mit dem Blick in die Vergangenheit und Wälder in den USA trägt, sei hier einmal dahin gestellt; die Wissenschaft kam schon lange vor der Zoll-Androhung zu dem Schluss, dass der Umfang der Waldbrände in Nordamerika in den letzten Jahren insbesondere eine Folge des Klimawandels und damit auch von (unsichtbaren) Treibhausgasemissionen der USA ist.

Zweierlei Maß für sichtbare und unsichtbare Emissionen

Amüsant oder nicht, der Trump-Vorstoß legt zweierlei Maß offen: Emissionen sind vor allem dann ein Thema, wenn sie unmittelbar zu Belastungen führen und in Trumps Welt speziell dann, wenn sie aus „unfreundlichen“ Ländern oder aus demokratisch regierten US-Bundesstaaten kommen. Dass Treibhausgasemissionen und viele andere emittierte Schadstoffe aus den USA (und aus fast allen Ländern) globale Auswirkungen – mit in einigen Regionen bereits sehr hohen Belastungen – haben, ist selten eine Schlagzeile.

Schauen wir einmal vor die eigene Haustür. Wenn es bei den Nachbarn oder anderen Ländern brennt, bietet man Hilfe an oder hilft einfach. Statt Beschwerden über den Rauch, sind Anteilnahme und Unterstützung bei der Bewältigung der Folgen wahrscheinlich und Zölle oder Sanktionen kein Thema. Das gilt auch, wenn nicht die Luft, sondern Gewässer betroffen sind.

Zölle auf Emissionen

Und bei CO2-Emissionen? An den EU-Außengrenzen gibt es für Warenströme tatsächlich Zölle sowie Pläne für Zölle und für andere Treibhausgase im weitesten Sinne auch Sanktionen oder Pläne für Sanktionen. Sie haben jedoch einen anderen Kontext. sie fordern die gleichen Pflichten von anderen Ländern ein, die in der EU gelten. Das ist weltweit auf vielen Ebenen üblich, um staatliche Subventionen auszugleichen, die auch durch geringere Umweltstandards vorliegen können. Sie sollen ausgleichen, nicht bestrafen.

Globale Schäden

Zurück zu den eigenen CO2-Emissionen. Wenngleich es in Deutschland und Europa verbindliche Minderungsziele und teilweise auch vorbildlichere Ansätze mit „Restbudgets“ gibt, liegen zwischen der erkannten Wirkung, der politischen Einordnung und dem Handeln dennoch Welten. Das Umweltbundesamt empfiehlt auf Grundlage des „Handbuch Umweltkosten“ für im Jahr 2026 emittierte Treibhausgase einen Kostensatz von 350 Euro2025/t an CO2-Emissionen zu verwenden (1 % Zeitpräferenzrate).

Bei einer Gleichgewichtung klimawandelverursachter Wohlfahrtseinbußen heutiger und zukünftiger Generationen (0 % Zeitpräferenzrate) ergibt sich ein Kostensatz von 1000 Euro2025/t. Damit beziffern sich die globalen Schäden durch jährliche deutsche Treibhausgasemissionen auf über 640 Mrd. Euro. Deutschlands Einnahmen aus den beiden Emissionshandelssystemen lagen im Jahr 2025 bei „nur“ 21,4 Mrd. Euro. Allein eine Angleichung zwischen den Energieträgern würde viel „Gestrüpp“ beseitigen und die 640 Mrd. Euro/a schneller verringern. Stattdessen friert die Bundesregierung den CO2-Preis für Kraft- und Brennstoffe vorerst ein und verschiebt Kosten und Maßnahmen ignorant in die Zukunft.

Jochen Vorländer
Chefredakteur TGA+E Fachplaner
vorlaender@tga-fachplaner.de

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