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Rund ein Zehntel der 12,3 Mio. Haus-Wohneigentümer haben sich in den letzten fünf Jahren zu einer energetischen Sanierung informiert, ihren Entscheidungsprozess aber abgebrochen. Nicht die Kosten sind dabei die primäre Hürde, sondern ein Gefühl der Unsicherheit. Gleichzeitig zeigen sich Sanierer nach Abschluss der Maßnahmen überaus zufrieden, was die Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität verdeutlicht.
Die Sirius Campus Marktuntersuchung „Monitor zur Energiewende“ zeigt auf, dass für viele Immobilienbesitzer energetische Sanierungen eine komplexe Entscheidungssituation darstellen. Obwohl das durchschnittliche liquide Vermögen unter Haus-Wohneigentümern bei rund 50.000 Euro liegt, sind zu hohe Gesamtkosten nur für 35 % ein Hinderungsgrund. Für fast ein Viertel (23 %) der Haus-Wohneigentümer gab es sogar keine finanziellen Hinderungsgründe für den Abbruch der Entscheidung.
Die Hürde der Unsicherheit
Das dominierende Gefühl vor einer Sanierungsentscheidung ist Unsicherheit. Lediglich ein Viertel (25 %) der Haus-Wohneigentümer hat ein sicheres oder gutes Gefühl hinsichtlich der Qualität der handwerklichen Ausführungen. Noch geringer ist das Vertrauen bei der Zuverlässigkeit der Kostenaufstellung (15 %), der Beratung zum Projekt (14 %) und der Nutzung staatlicher Förderungen (14 %).
Vor einer Investition glauben immerhin die Hälfte (51 %) an mögliche geringere monatliche Energiekosten. Von einer Wertsteigerung der Immobilie sind 30 % und von einem Klimaschutzbeitrag nur 23 % überzeugt. „Energetische Sanierungen und neue Techniken erleben viele Wohneigentümer als sehr komplexe Entscheidungssituation und tatsächlich liegen meist wenige Erfahrungen vor“, interpretiert Dr. Oliver Gaedeke, Geschäftsführer von Sirius Campus. „Fehlende Vorstellungen und konkrete Vorbilder sind deswegen die größten mentalen Hürden im Entscheidungsprozess.“
Positive Erfahrungen übertreffen Erwartungen
Nach einer tatsächlich durchgeführten energetischen Sanierung wandelt sich das Bild drastisch: Fast alle (94 %) der Haus-Wohneigentümer sind zufrieden, zwei Drittel (66 %) sind sogar begeistert (Beurteilung mit sehr gut oder ausgezeichnet). Über die Hälfte (58 %) der Hausbesitzer mit Sanierungserfahrungen hat die jeweilige Maßnahme bereits weiterempfohlen. Dabei beobachten Weiterempfehler bei rund zwei Fünfteln (42 %) ihrer Gesprächspartner eine Absicht und bei einem Drittel (32 %) eine tatsächliche Umsetzung einer vergleichbaren Investition.
Die Begeisterung entsteht vor allem durch positive Erlebnisse bei der Qualität der handwerklichen Ausführungen (56 %), dem Einbau der gewünschten Materialien bzw. Geräte (50 %) und der Verlässlichkeit der Kostenaufstellung (46 %). Zudem werden Sanierer bei den erwarteten Vorteilen wie niedrigeren monatlichen Energiekosten (65 %) und geringem Wartungsaufwand (28 %) positiv überrascht. „Die hohe Diskrepanz zwischen den wenig positiven Erwartungen vor und den sehr positiven Erfahrungen nach energetischen Sanierungen macht deutlich, wie groß die Unsicherheiten im Entscheidungsprozess sind. Die hohe Qualität im Handwerk und bei Komplettanbieter begeistert dann umso mehr“, so Dr. Gaedeke.
Die Rolle der Beratung
Rund ein Viertel (28 %) aller Immobilienbesitzer hat sich im Jahr 2025 zu einer energetischen Sanierung beraten lassen. Dabei verzeichnen EnBW, Enpal und regionale Stadtwerke mit jeweils rund einem Zehntel der Nutzer die höchste Beratungsreichweite. Auch E.ON, Haus und Heim, Thermondo, VARM und Vattenfall werden als beratende Anbieter genannt.
Hinsichtlich der Beratungs- und Angebotsqualität erhalten kleinere Anbieter wie DreamMaker, EKD, Haus und Heim, HomeServe, octopus energy, Quatt, Homeenergy, Otovo, Schlieger oder Vamo überdurchschnittliche Noten. Unter den Anbietern mit hoher Reichweite stechen EnBW und E.ON mit einer überdurchschnittlichen Beratungs- und Angebotsqualität hervor.
Gaedeke: „Gute Beratungen mit positiver Wirkung auf eine Investitionsentscheidung für energetische Sanierungen zeichnen sich vor allem durch Anschaulichkeit und Einfachheit aus. Durch einen Deep-Dive in technische Erläuterungen mehr Transparenz für Interessenten herzustellen, wirkt bei der Mehrheit der Immobilienbesitzer negativ.“ Dies unterstreicht die Bedeutung einer verständlichen und praxisnahen Kommunikation, um die mentalen Hürden bei potenziellen Sanierern abzubauen und das hohe Zufriedenheitspotenzial energetischer Maßnahmen voll auszuschöpfen.
Quelle: Sirius Campus / fl
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