Der Artikel kompakt zusammengefasst
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- Gebäude werden künftig an zwei gleichwertigen Kriterien gemessen: wie effizient sie Ressourcen einsetzen und wie gut sie ihren Nutzern dienen.
- In autonomen Gebäuden steuern vernetzte Sensoren, Cloud-Plattformen und KI die Beleuchtung, Klimatisierung sowie Sicherheits- und Schutzsysteme kontinuierlich in Echtzeit. Sie analysieren Belegungsmuster und Wetterprognosen und treffen vorausschauend Entscheidungen, um Energieverbrauch und Komfort optimal auszubalancieren.
- Damit Nutzer Autonomie akzeptieren, ist Vertrauen entscheidend. Ziel autonomer Gebäuden ist es nicht, menschliche Kontrolle abzuschaffen, sondern sie neu auszurichten.
KI-gestützte Gebäudetechnologien können Energieeffizienz, Betriebssicherheit und Nutzerkomfort ganzheitlich zusammenführen. Wichtige Rollen kommen dabei integrierten TGA+E-Systeme zu. Susanne Seitz, CEO Siemens Smart Infrastructure Buildings, beschreibt, wie getrieben von konkreten Herausforderungen im Gebäudebetrieb und zunehmender Systemkomplexität der Schritt von klassisch automatisierten hin zu zunehmend autonomen Gebäuden insgesamt und organisatorisch gelingt.
Wird über intelligente Gebäude gesprochen, steht zumeist der Effizienzgedanke im Mittelpunkt. Kann Künstliche Intelligenz (KI) den Energieverbrauch von Immobilien senken? Können prädiktive Analysen die Ausfallzeiten von Systemen minimieren? Das sind wichtige Fragen – insbesondere angesichts stark steigender Energiekosten und ambitionierter Netto-Null-Ziele.
Zukünftige Gebäude werden jedoch an zwei gleichwertigen Kriterien gemessen: daran, wie effizient sie Ressourcen einsetzen, und daran, wie gut sie den Menschen dienen, die sich darin aufhalten. Ein autonomes Gebäude, das Kilowattstunden einspart, aber keinen Komfort bietet, ist ebenso wenig zukunftsfähig wie eines, das zwar angenehm ist, dabei jedoch übermäßig viel Energie verbraucht.
Effizienz als Fundament
Der Energieverbrauch in Gebäuden ist nach den Personalkosten der zweitgrößte Kostenfaktor. Entsprechend belasten steigende Energiekosten in vielen Unternehmen zunehmend die Rentabilität. Gleichzeitig verschärfen Regierungen, Investoren und Kreditgeber die Anforderungen an das CO2-Reporting von Firmen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich im Jahr 2025 weniger Organisationen zuversichtlich fühlten, ihre CO2-Reduktionsziele für 2030 zu erreichen als noch zwei Jahre zuvor. Zudem ist fast die Hälfte der befragten Führungskräfte überzeugt, ihre Geschäftsmodelle grundlegend neu ausrichten zu müssen.
Autonome Gebäudetechnologien liefern darauf eine überzeugende Antwort. Vernetzte Sensoren, Cloud-Plattformen und KI steuern Beleuchtung, Kühlung, Heizung und Lüftung sowie Sicherheits- und Schutzsysteme kontinuierlich in Echtzeit. Sie analysieren Belegungsmuster und Wetterprognosen und treffen vorausschauend Entscheidungen, um Energieverbrauch und Komfort optimal auszubalancieren. In der Praxis führt das zu weniger beheizten Leerflächen, weniger unnötigen Wartungseinsätzen vor Ort und messbar reduzierten Emissionen.
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Das Nutzererlebnis als Erfolgsfaktor
Für Menschen, die sich in Gebäuden aufhalten – ob zum Lernen, Arbeiten oder zur Genesung – ist das Nutzererlebnis ebenso entscheidend. Ein Arbeitsplatz, der zu warm oder zu laut ist, mindert die Produktivität. Ein Operationssaal im Krankenhaus, dessen Temperatur- oder Feuchtigkeitswerte außerhalb der vorgeschriebenen Bereiche liegen, kann im schlimmsten Fall die Sicherheit der Patienten gefährden.
Autonome Gebäude eröffnen neue Möglichkeiten: Sie überwachen die Luftqualität kontinuierlich und passen die Belüftung an, lange bevor erhöhte CO2-Werte die Konzentration beeinträchtigen. Eine Beleuchtung, deren Farbe und Helligkeit dem Tagesverlauf folgen, steigert den Komfort ebenso wie Systeme, die Hintergrundgeräusche in Echtzeit reduzieren. Statt an starren Gebäudeparametern festzuhalten, lernen autonome Gebäude die Präferenzen einzelner Personen und Gruppen kennen und passen den Komfort kontextabhängig an.
Dieser nutzerzentrierte Ansatz verbessert nicht nur das Wohlbefinden. Er senkt Fehlzeiten, stärkt die Mitarbeiterbindung und steigert den Wert von Immobilien. Gerade in wettbewerbsintensiven Märkten wird das Versprechen eines gesünderen, reaktionsfähigeren Gebäudes zu einem Differenzierungsmerkmal – sowohl für Mieter als auch für Endnutzer.
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Warum Vertrauen der Schlüssel ist
Personalisierungs- und Übersteuerungsfunktionen sind unverzichtbar. Nutzer sollten jederzeit Einfluss auf ihre Umgebung nehmen können. Manueller Input – über ein Dashboard, eine App oder eine Sprachschnittstelle – muss in den Lernprozess der KI einfließen und darf nicht ignoriert werden. Gleichzeitig müssen Datenschutz und Cybersicherheit von Beginn an durch klare Governance-Strukturen abgesichert sein.
Damit Nutzer Autonomie akzeptieren, ist Vertrauen entscheidend. Ziel ist es nicht, menschliche Kontrolle abzuschaffen, sondern sie neu auszurichten. Statt vor allem reaktiv zu arbeiten und Alarme oder Komfortbeschwerden zu bearbeiten, können Facility-Manager KI-gestützte Erkenntnisse validieren, langfristige Strategien entwickeln und sich auf übergeordnete Aufgaben konzentrieren. Und anstatt Frustration über starre Gebäudeeinstellungen zu erleben, fühlen sich Nutzer unterstützt, eingebunden und selbstbestimmt.
Autonomie in Bestandsgebäuden: So gelingt die Umsetzung
Die Mehrheit der Gebäude weltweit sind keine Neubauten, sondern Jahrzehnte alt – mit isolierten Systemen und einer Vielzahl schrittweiser Einzelmodernisierungen. Um Autonomie skalieren zu können, muss sie auch für diese Bestandsimmobilien funktionieren.
Der Weg dorthin gleicht einem Marathon, nicht einem Sprint. Zunächst gilt es, digitale Konnektivität für Anwendungsfälle wie vorausschauende Wartung oder Energiemonitoring herzustellen. Im nächsten Schritt folgt eine umfassendere Systemintegration, damit Technologien unterschiedlicher Hersteller sowie IT- und OT-Umgebungen1) miteinander kommunizieren können. Darauf aufbauend lassen sich nach und nach fortgeschrittene Funktionen wie prädiktive Modelle, präskriptive Maßnahmen und natürliche Sprachschnittstellen ergänzen – ermöglicht durch KI als zentralen Enabler, der Daten zusammenführt, Muster erkennt und Entscheidungen unterstützt.
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Neue Maßstäbe für den Wert von Gebäuden
Geht es um den wirtschaftlichen Wert von Gebäuden, stehen meist drei Kostenblöcke im Vordergrund: Personal, Energie und Kapital. Autonome Systeme setzen genau hier an. Sie entlasten das Personal, indem sie kritische Themen priorisieren, senken den Energieverbrauch durch kontinuierliche Optimierung und verlängern die Lebensdauer von Anlagen, indem sie Wartung vorausschauend statt reaktiv gestalten.
Gleichzeitig zahlen bessere Nutzererlebnisse direkt auf den Geschäftserfolg ein. Geringere Fluktuation, höhere Produktivität und stabilere Mieterträge werden zunehmend zu messbaren Faktoren. Investoren berücksichtigen bei der Bewertung von Immobilien verstärkt ESG-Leistungen2) und das Wohlbefinden der Nutzer, während Regulierungsbehörden die Anforderungen an Effizienz und Sicherheit weiter verschärfen. Entscheidend ist damit, wer nachweisen kann, dass sich sowohl die Ergebnisse für Menschen als auch für das Geschäft verbessern.
Der Weg hin zu autonomen Gebäuden
Jeder Entwicklungsschritt – von der Fehlererkennung über prädiktive Modelle bis hin zu agentischer KI und präskriptiver Optimierung – baut Vertrauen auf und erweitert die Fähigkeiten von Unternehmen. Wichtig ist: Jeder dieser Schritte liefert bereits messbare Vorteile, etwa durch niedrigere Energiekosten, weniger Systemausfälle oder zufriedenere Nutzer.
Gleichzeitig müssen Herausforderungen offen adressiert werden. Der Fachkräftemangel im Facility-Management, die Sorge vor Arbeitsplatzverlusten durch KI und berechtigte Fragen zur Cybersicherheit lassen sich nicht ignorieren. Die Antwort liegt in Transparenz, Offenheit und Zusammenarbeit. Autonome Gebäude müssen so gestaltet sein, dass sie menschliche Expertise unterstützen, statt diese zu ersetzen. Offene Standards helfen, Abhängigkeiten zu vermeiden, während Sicherheitsaspekte konsequent in jede Verbindung und jeden Prozess integriert werden müssen.
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Klar ist: Weder Effizienz noch Komfort allein führen zum Ziel. Erfolgreiche autonome Gebäude verbinden beides. Sie optimieren Ressourcen und schaffen zugleich Umgebungen, in denen Menschen konzentriert arbeiten, genesen oder lernen können – ohne Ablenkung.
Diese doppelte Aufgabe ist längst kein Nice-to-have mehr. Steigende Kosten, strengere Regulierung und wachsende Erwartungen machen sie zur Voraussetzung für langfristigen Erfolg. Unternehmen, die jetzt handeln und Autonomie als Balance zwischen Effizienz und Nutzererlebnis verstehen, erreichen nicht nur ihre Nachhaltigkeitsziele, sondern schaffen dauerhaften Mehrwert – für Eigentümer, Facility Manager, Nutzer und die Gesellschaft.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob Gebäude autonom werden, sondern ob sie dies auf eine Weise tun, die sowohl den Menschen als auch dem Planeten dient. Genau darin liegt die Chance – und die Verantwortung –, die wir uns nicht entgehen lassen dürfen.
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1) IT (Informationstechnologie): Fokus auf Datenverarbeitung, Speicherung, Netzwerke und Sicherheit (Vertraulichkeit).
OT (Betriebstechnologie; Operational Technology): Fokus auf physische Prozesse, Anlagen- und Maschinensteuerung, Anlagenverfügbarkeit
2) ESG steht für Environmental, Social und Governance (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) und bezeichnet Kriterien für nachhaltiges Handeln in Unternehmen.
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