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Energieträger

2023-Q1: Erneuerbare lieferten rund 50 % des Stromverbrauchs

BDEW / ZSW

Die Stromerzeugung aus erneuerbare Energien in Deutschland entsprach im 1. Quartal 2023 der Hälfte des nationalen Stromverbrauchs. Der hohe Anteil ist aber kein Wert zum Ausruhen.

Rund 69 TWh (Mrd. kWh) Strom sind im ersten Quartal 2023 in Deutschland aus erneuerbaren Energien erzeugt worden. Das zeigen vorläufige Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien (EE) lag damit zwischen Januar und März 2023 im Durchschnitt bei täglich fast 9,1 kWh pro Bundesbürger und deckte rund 50 % des Stromverbrauchs in Deutschland (Q1-2022: 49,3 %). Der leichte prozentuale Anstieg des Erneuerbaren-Anteils ist allerdings zum Teil auch auf den krisenbedingt gesunkenen Stromverbrauch zurückzuführen. Dieser lag im 1. Quartal 2023 gut 6 % unter dem des Vorjahreszeitraums. Da die EE-Quote als Anteil am Stromverbrauch bemessen wird, erhöht ein niedrigerer Verbrauch die Quote und umgekehrt.

Die Erzeugungszahlen im Einzelnen

Im 1. Quartal 2023 lag die Bruttostromerzeugung mit 148 TWh um 8 % unter dem Vorjahreszeitraum (1. Quartal 2022: 161 TWh). Dem stand ein Bruttostromverbrauch von rund 138 TWh gegenüber (1. Quartal 2022: 148 TWh). Insgesamt wurden rund 69 TWh Strom aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugt (1. Quartal 2022: 73 TWh). Davon stammten

● gut 38 TWh aus Wind an Land,
● knapp 8 TWh aus Photovoltaik,
● gut 11 TWh aus Biomasse,
● 7 TWh aus Wind auf See und
● 4 TWh aus Wasserkraft.

Aus konventionellen Energieträgern wurden 78 TWh erzeugt. Im Vorjahreszeitraum waren es 88 TWh.

Ökostromanteil: Zwei Berechnungsmöglichkeiten

Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch im 1. Quartal 2023 beträgt rund 50 % Den Ökostromanteil am Bruttostromverbrauch zu bemessen, ist die gängige Berechnungsgrundlage. Sie geht zurück auf europäische Vorgaben und steht im Einklang mit den Zieldefinitionen der Bundesregierung zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Der Bruttostromverbrauch bildet das gesamte Stromsystem eines Landes ab.

Eine andere Möglichkeit ist, den Anteil der Erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung zu messen. Sie umfasst die gesamte in Deutschland erzeugte Strommenge, also auch die exportierten Strommengen. Der Anteil erneuerbarer Energien im 1. Quartal 2023 auf Basis der Bruttostromerzeugung beträgt rund 47 %.

BDEW / ZSW

Exkurs

Die Summe aus Nettostromerzeugung und Stromimporten ergibt das Stromaufkommen. Abzüglich der Stromexporte und des Pumpstromverbrauchs für Pumpspeicherkraftwerke erhält man den Bruttostromverbrauch. Werden hiervon noch die im Stromnetz anfallenden Übertragungsverluste (Leitungsverluste, Verluste im Umspannwerk etc.) abgezogen erhält man den Nettostromverbrauch (auch Endenergieverbrauch). Die Nettostromerzeugung errechnet sich aus der Bruttostromerzeugung („Generatorklemme“) abzüglich Kraftwerkseigenverbrauch.

BDEW / ZSW

„Wir brauchen eine Gelingenshaltung bis in jede Amtsstube“

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung: „Egal, ob für Energiewende, Wärmewende, Verkehrswende oder Wasserstoffhochlauf: Um die Klimaziele zu erreichen, brauchen wir noch viel mehr grünen Strom als wir heute haben. Die Bundesregierung hat hierzu bereits einige Maßnahmen angestoßen.

Nun geht es um die Umsetzung – zum Beispiel von schnelleren Planungs- und Genehmigungsverfahren. Hierzu brauchen wir eine Gelingenshaltung bis in jede Amtsstube. Gleichzeitig müssen wir den Netzaus- und -umbau vorantreiben, einen Markt für Wasserstoff schaffen und die Weichen für ein Marktdesign stellen, in dem sich auch Investitionen in steuerbare Stromerzeugungskapazitäten lohnen. So kann die Energiewende zum Erfolg werden.“

„Wir müssen dringend Produktionskapazitäten aufbauen“

Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführender Vorstand des ZSW: „Auf dem Offshore-Gipfel von acht Nordseeanrainerstaaten am 24. April 2023 wurde das Ziel formuliert, 120 GW Offshore-Kapazität bis 2030 in der Nordsee zu errichten. Ein hoffentlich beispielgebender Ansatz, um länderübergreifend die erforderliche Dynamik beim Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung in Europa zu entwickeln.

Allerdings reicht dies allein nicht aus. Gerade für eine erfolgreiche Umsetzung brauchen wir dringend auch den Aufbau heimischer Produktionskapazitäten in der Industrie für die Schlüsseltechnologien der Energiewende in Europa – allen voran Photovoltaik, Windenergie, Batterie- und Wasserstofftechnologien. Hierzu müssen wir gezielt den EU Net-Zero Industry Act nutzen, um strategisch Wertschöpfungsstrukturen in Europa auf- und Lieferabhängigkeiten abzubauen.“ ■
Quelle: BDEW, ZSW / jv

Der Artikel gehört zur TGA+E-Themenseite TGA-Marktdaten

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