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Wer auf eine nachhaltige Heizung umsteigen und den Gasanschluss stilllegen möchte, sieht sich oft mit erheblichen Kosten und unklaren Regelungen konfrontiert. Eine Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt große Preisspannen und fehlende Transparenz, die den Umstieg auf erneuerbare Energien erschweren.
Der Wechsel von Erdgas zu erneuerbaren Heizsystemen wird für viele Haushalte relevant. Die daraus folgende Abschaltung des Gasanschlusses darf für Verbraucher nicht zur Kostenfalle werden, so Florian Munder, Energieexperte beim vzbv.
Kosten variieren stark, Begriffe sind unklar
Der aktuelle vzbv-Marktcheck deckt eine große Spannbreite bei den Kosten für die Abschaltung von Gasanschlüssen auf. Während einige Netzbetreiber die Stilllegung oder den Rückbau kostenfrei anbieten, verlangen andere Entgelte von mehreren tausend Euro. Die Kosten für eine Stilllegung reichen von 0 bis 6545 Euro, der Median liegt bei 455,18 Euro. Für einen Rückbau können zwischen 0 und 6900 Euro anfallen, mit einem Median von 1190 Euro. Eine Pausierung ist mit jährlichen Kosten zwischen 21,42 und 230,62 Euro verbunden.
Für Verbraucher ist häufig nicht nachvollziehbar, welche Abschaltungsart angeboten wird und welche Kosten konkret entstehen. Die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Abschaltungsarten wird durch uneinheitliche und teils widersprüchliche Bezeichnungen der Netzbetreiber für Pausierung, Trennung und Rückbau von Gasanschlüssen zusätzlich erschwert.
Verbraucherbeschwerden häufen sich
Die hohen Kosten und mangelhaften Informationen spiegeln sich in Beschwerden wider, die bei den Verbraucherzentralen eingehen. Verbraucher berichten von unerwartet hohen Rechnungen, fehlenden Begründungen für Kosten und unklarer Kommunikation zwischen Netzbetreibern und Grundversorgern. In einigen Fällen werden sogar weiterhin Grundgebühren erhoben, obwohl der Gasanschluss bereits außer Betrieb ist.
vzbv fordert klare Regeln und Transparenz
Um den Heizungsumstieg zu erleichtern, fordert der vzbv klare gesetzliche Vorgaben für die Kosten der Gasanschluss-Abschaltung sowie Transparenzpflichten für alle Netzbetreiber. Verbraucher benötigen Planungssicherheit, verlässliche Informationen und faire Bedingungen ohne unnötige Mehrkosten.
Der Verband begrüßt den Vorschlag der Bundesregierung im Rahmen der Überarbeitung des Energiewirtschaftsgesetzes, klarzustellen, dass für eine Stilllegung des Gasanschlusses keine Kosten in Rechnung gestellt werden dürfen. Darüber hinaus fordert der vzbv:
- Gasnetzbetreiber müssen verpflichtet werden, die Stilllegung – also die dauerhafte Anschlusstrennung ohne aufwändigen Rückbau der Leitungen – als wirtschaftliche Standardmethode zur Abschaltung eines Gasanschlusses anzubieten.
- Die Bezeichnungen für die verschiedenen Formen der Gasanschlussabschaltung (Pausierung, Stilllegung und Rückbau) sollten rechtsverbindlich definiert werden. Gasnetzbetreiber sollten anschließend verpflichtet werden, ausschließlich diese Begriffe zu verwenden.
Methode:
Die Untersuchung des vzbv basierte auf einem Marktcheck der Webseiten von 54 lokalen Gasnetzbetreibern in Deutschland, durchgeführt vom 16. bis 17. Februar 2026. Ergänzend wurden 81 thematisch relevante Einzelfallschilderungen von Verbrauchern ausgewertet, die zwischen Juni 2024 und Januar 2026 in den Beratungsstellen der Verbraucherzentrale erfasst wurden.
Quelle: vbzb / fl
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