Die krisengetriebene Teuerung bei Erdgas und Strom für Neukunden im Herbst 2026 ist enorm. Trotz höheren Strompreisen zahlt sich jetzt der Umstieg auf eine Wärmepumpe aus.
Anhaltend hohe Beschaffungspreise für Erdgas verteuern auch die Beschaffungspreise für Strom. Nach oder vor einem Umstieg von einer Gas-Heizung auf eine Wärmepumpen-Heizung stellt sich somit die Frage, wie die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme dadurch beeinflusst wird.
Preisdifferenz-Vergleich
Ausgehend von einem bestimmten Zeitpunkt und einem konkreten Preisniveau kann man die Antwort über die Preisdifferenz schnell veranschaulichen. Basis sei der Referenzverbrauch für ein Einfamilienhaus mit neuer Gas-Heizung und einem Gasverbrauch von 20.000 kWh/a sein. Mit einem Jahresnutzungsgrad (JNG) von 0,93 ergibt sich eine Wärmeabgabe von 18.600 kWh/a. Wird diese über eine WP-Heizung und eine Jahresarbeitszahl von 3,3 (JAZ) zur Verfügung gestellt, ergibt sich ein Strombedarf von 5636 kWh/a. Er soll hier zu 100 % aus dem Netz ()also keine Eigenstromverwendung) entnommen werden.
Steigt der Gaspreis um 1,0 Ct/kWh, erhöht sich die Gas-Rechnung um:
0,01 Euro/kWh × 20.000 kWh/a um 200 Euro/a
Der vorherige Unterschied bei den Heizenergiekosten bleibt unverändert, wenn sich der Strompreis wie folgt erhöht:
200 Euro/a : 5636 kWh/a = 3,55 Ct/kWh
Der Zahlenwert 3,55 entspricht dem Verhältnis JAZ / JNG. Auf den Beschaffungsmärkten sind für relevante Zeitabschnitte deutlich kleinere Hebel zu beobachten. Bezogen auf Kalenderjahre lagen sie in den letzten Jahren bei etwa 2,4 bis 2,8. Die nachstehend gezeigten Entwicklungen würden also auch (abgeschwächt) für relativ schlechte Arbeitszahlen gelten, bei Jahresarbeitszahlen über 3,3 werden sie verstärkt.
JV
Vergleich der Energierechnung
Um den Jahreswechsel 2025/26 hatten Strom- und Gaspreise, teilweise durch staatliche Maßnahmen (Übertragungsnetzentgelt-Zuschuss und Gasspeicherumlage), ein vergleichsweise niedriges Niveau erreicht. Die Grafik nimmt im unteren Teil exemplarisch einen Mittelwert für Deutschland von 8,8 Ct/kWh für Erdgas und einen Nennpreis von 25,0 Ct/kWh für 3500 kWh/a Haushaltsstrom an.
Exkurs zur Nachvollziehbarkeit beim Nachrechnen: Im Startpunkt ergibt sich mit dem Nennpreis für 3500 kWh Haushaltsstrom und einem angenommenen Grundpreis von 100 Euro/a (er setzt sich zusammen aus Netzentgelt-Grundpreis, Messstellenbetrieb und Servicepauschale des Energielieferanten) ein für die Wärmepumpe relevanter Arbeitspreis von 22,1 Ct/kWh. Über eine Modul-1-Pauschale von 140 Euro/a und Kosten von jeweils 50 Euro/a für Smart-Meter-Pflichteinbau und Steuerbox ergibt sich ein Rechenwert von 21,08 Ct/kWh.
Der obere Teil der Grafik zeigt die Energiekosten. Zum Startpunkt lag der Energiekostenvorteil der WP-Heizung bei 622 Euro/a. Der Gaspreis liegt für Neukunden inzwischen bei den günstigsten Tarifangeboten bei 14 Ct/kWh. Haushaltsstrom hat sich auf 35 Ct/kWh verteuert. Daraus ergeben sich rechnerisch für die WP-Heizung Mehrkosten von 564 Euro/a. Dennoch zahlt sich der Umstieg aus, denn für die Gas-Heizung würde die sich die Rechnung um 1.060 Euro/a erhöhen. Der Energiekostenvorteil mit der WP-Heizung erhöht sich deutlich auf 1.118 Euro/a. Für den vorherigen Wert von 622 Euro/a müsste der Haushalts-Strompreis auf 44,1 Ct/kWh steigen.
Wichtige Blickwinkel
- Steigende Gaspreise auf den Beschaffungsmärkten wirken sich deutlich stärker bei einer Gas-Heizung als bei einer Wärmepumpen-Heizung mit typischer JAZ aus.
- Da sich die vorstehende Aussage auch in die andere Richtung umkehrt, können Wirtschaftlichkeitsberechnungen mit krisenbeeinflussten Energiepreisen eine verzerrte Entscheidungsgrundlage liefern.
- Auf jedem Grundstück würden die beiden Startpunkt auch für ein identisches und identisch genutztes Gebäude abweichen. Hintergrund sind die unterschiedlichen Netznutzungsentgelte sowie die unterschiedlichen Aufteilungen zwischen Netzentgelt-Grund und -Arbeitspreis sowie die von der Gemeindegröße abhängige Konzessionsabgabe. Die nachgezeichnete unterjährige Bewegung liegt jedoch im Rahmen der örtlichen Wettbewerbssituation in einem sehr engen Korridor.
Rückblick: Noch deutlicher wird das Ergebnis, wenn die Wärmepumpen-Heizung mit der alten Gas-Heizung mit exemplarisch JNG = 0,8 verglichen wird: dann erhöht sich der Abstand zwischen den beiden Energierechnungen bis zu einem JAZ/JNG-Hebelwert von 3,3 / 0,8 = 4,1. Tatsächlich ist er sogar noch größer, wenn man den Hilfsenergiebedarf für den Betrieb der Gas-Heizung berücksichtigt.
Blick in die Zukunft: Dass der Weltmarktpreis für Erdgas dauerhaft auf dem aktuellen Niveau bleibt, ist unwahrscheinlich, schließlich beruht er auf einer Krise, zum Teil verstärkt durch eine unzutreffende politische Einschätzung der Dauer der Krise. Für potenzielle Umsteiger von einer Gas- auf eine Wärmepumpen-Heizung ist aber schon der nächste Gaspreistreiber in Sichtweite: Vor dem Umstieg ist es ab 2028 die (bisher noch nicht gesetzlich geregelte) Grüngasquote und nach jeder Erneuerung einer Gas-Heizung die Bio-Treppen-Anforderungen aus dem GModG ab 2029. Beide verteuern den Brennstoff, allerdings nur für die Beheizung von Gebäuden und nicht bei der Erdgasbeschaffung. Die Grüngasbeimischung im Gebäudesektor wird voraussichtlich den Strompreis nicht mitziehen. ■
Quelle: Verivox-Strom- und -Gaspreisindex (bereinigt); eigene Berechnungen / jv
Im Kontext:
Grünbrennstoffquote wiegt schwerer als die Bio-Treppe
Gas-Heizung vs. Wärmepumpe: CO2-Emissionen im Vergleich
Luft/Wasser-Wärmepumpen-Auslegung mit Weitblick
2025: Die niedrigsten Wärmekosten gab es mit Wärmepumpen
Wärmepumpen-Gas-Hybrid oder gleich monoenergetisch?