Erst lange Zahlenreihen machen Marktbewegungen sichtbar. Im Heizungsmarkt erfolgen die Entwicklungen trotz vielfältiger Impulse langsam und Umbrüche sind rar.
Die 12. Ausgabe der TGA+E-Ereignisdokumentation parallel zur Marktentwicklung des herstellerseitigen Absatzes wasserführender Wärmeerzeuger (Daten: BDH-Absatzstatistik) zeigt – im Gegensatz zu deutlichen Marktbewegungen bei den absoluten Verkaufszahlen aufgrund äußerer Einflüsse (siehe: Im Kontext) – in der Strukturdarstellung überwiegend sehr langsame Veränderungen.
JV / Absatzdaten: BDH
Über viele Jahre gab es nur zwei große Umbrüche: Vor der Erhöhung der Umsatzsteuer zum Jahreswechsel 2006/07 haben Gas-Niedertemperatur-Heizkessel in einem wachsenden Markt über 27 % bzw. 8,6 Prozentpunkte beim Marktanteil eingebüßt. Gleichzeitig ist der erst seit 2003 vor ihr liegende Gas-Brennwert-Heizkessel für viele Jahre auf die Spitzenposition mit einem Marktanteil von über 69 % im Jahr 2019 durchgestartet. Sein Abstieg seit dem Jahr 2020 begann während der Covid-19-Pandemie bereits vor dem Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes bzw. der Ergänzung um Anforderungen beim Einbau neuer Heizungen ab 2024.
Gas-Heizungen nach langer Dominanz nur auf Platz 2
Der zweite Umbruch in der Absatzstruktur fand im Jahr 2025 statt: Bei Heizungs-Wärmepumpen stieg der Marktanteil von 27,1 auf 47,7 % um 20,6 Prozentpunkte und der Marktanteil von Gas-Brennwert-Heizkesseln schrumpfte von 50,3 auf 36,5 % um 13,8 Prozentpunkte. Bei Wärmepumpen ist der Sprung nicht vollständig aufgrund der endkundenseitigen Nachfrage entstanden – ein überhöhter Lagerbestand Ende 2023 im Handel hatte den herstellerseitigen Absatz im Jahr 2024 gesenkt, wodurch sich für 2025 ein „Basiseffekt“ ergibt.
41 gut gewählte Worte
Eines der wichtigsten Ereignisse in der Heizungswende ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt, es war jedoch in der zeitlichen Dimension der Möglichmacher für den steilen Wärmepumpenhochlauf im Bestand. Mit 41 gut gewählten Worten in der „Richtlinie für die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM) vom 17. Dezember 2020“ hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unter Peter Altmaier den Weg für die heute in der Breite verfügbaren R290-Wärmepumpen mit einem für nahezu alle Heizungsanlagen passenden Leistungsprofil geebnet:
„Um die Verwendung von Technologien mit niedrigen oder keinen Klimaauswirkungen zu fördern, wird die Bundesregierung bis spätestens 1. Januar 2025 überprüfen und bewerten, ob Wärmepumpen und Klimaanlagen, die fluorierte Treibhausgase enthalten, von der Förderung im Rahmen der BEG künftig ausgeschlossen werden.“
Exkurs zur Heizungsförderung
Erhellend (oder entlarvend) ist auch ein weiterer punktueller Blick in die zitierte Förderrichtlinie ab 2021:
„Wird eine Heizungsanlage, die mit dem Brennstoff Öl betrieben wird, ausgetauscht […] ergeben sich folgende Fördersätze: […] 45 Prozent der förderfähigen Investitionskosten bei einem Austausch Ölheizung gegen Biomasse-Anlagen (50 Prozent bei Einhaltung eines Emissionsgrenzwertes für Feinstaub […]) […] oder Wärmepumpe […]“
Die förderfähigen Kosten (inkl. umfangreicher Umfeldmaßnahmen) wurden Anfang 2021 vom CDU-geführten Wirtschaftsministerium auf 60.000 Euro pro Wohneinheit gedeckelt. Der maximale Zuschuss für den Umstieg auf eine Wärmepumpen-Heizung lag somit bei 27.000 Euro (und bezogen auf den heutigen Förderdeckel bei 13.500 Euro).
Heute bezeichnen Politiker von CDU und CSU bei einem Deckel von 30.000 Euro einen maximalen Zuschuss von 21.000 Euro für einkommensschwache selbstnutzende Haushalte als „Übersubventionierung“. Für alle anderen selbstnutzenden Haushalte ist der Zuschuss auf maximal 16.500 Euro gedeckelt. Für nicht selbstgenutzte Wohneinheiten liegt die Förderung bei maximal 10.500 Euro.
Zum Rückblick gehört allerdings auch die Erkenntnis, dass in den Jahren 2009 bis 2019 die Unterstützung für den Hochlauf erneuerbarer Energien im Wärmemarkt bezogen auf Heizungs-Wärmepumpen und Biomasse-Heizungen praktisch wirkungslos war. Ein Faktor dabei war die parallele, fast kontinuierliche direkte oder indirekte Förderung von Gas-Heizungen. ■
Quelle: BDH-Meldungen (Absatzdaten); eigene Berechnungen und Aufzeichnungen / jv
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