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Energieversorgung

Wie viel „Saarland“ sind 100.000 Wärme­pumpen?

„Die Hei­zungs­wen­de ist nicht nur ein Fak­tor für die umgestellten Gebäude. Ein größeres LNG-Tankschiff transportiert etwa 1,2 TWh. 100.000 Wärme­pum­pen statt Gas-Hei­zun­gen senken den Erdgas-Import­be­darf um etwa 2,0 TWh pro Jahr. Auch in je­dem fol­gen­den Jahr.“

GV

Vermutlich lässt sich auch mit dem Saarland oder Fußballfeldern ein interessanter Vergleich konstruieren –  aber beim Heizen steht zurzeit eher Erdgas im Fokus. Das kommt inzwischen überwiegen über Pipelines aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien, sowie verflüssigt per Schiff über die erst in den letzten Jahren eingerichtete LNG-Importinfrastruktur.

Der überwiegende Teil des aus den Niederlanden und Belgien zuströmenden Erdgases ist ebenfalls regasifiziertes LNG. Ein hoher winterlicher Gasbedarf kann über die Importpipelines nicht sicher abgedeckt werden, dann wird die Einspeisung aus den Gasspeichern benötigt. Ihre nutzbare Kapazität wird mit 247,5 TWh angegeben.

Der Erdgasabsatz an Letztverbraucher in Deutschland lag im Jahr 2025 bei 862 TWh, davon werden 265 TWh der Verwendung in privaten Haushalten und Wohnungsgesellschaften zugeordnet. Der überwiegende Teil wird für die Raumheizung mit einem von der Witterung geprägten Abnahmeprofil verwendet.

Minus 2,4 TWh/a an der Grundstücksgrenze

Eine durchschnittliche Gas-Heizung in Wohngebäuden in Deutschland kommt auf einen Gas-Verbrauch von ca. 26.500 kWh/a. Nimmt man an, dass der Umstieg auf eine Heizungs-Wärmepumpe aufgrund des Schwerpunkts in kleineren Gebäuden den Gasbedarf an der Grundstücksgrenze nur um 24.000 kWh/a senkt, verdrängen 100.000 Heizungs-Wärmepumpen bei einem Vollumstieg 2.400.000.000 kWh/a. Mit der energiewirtschaftlich üblichen Einheit sind es 2,4 TWh/a.

Minus 2,0 TWh/a an der Landesgrenze

Die Grundstücksgrenze greift aber zu kurz. Mit typischen Faktoren ist anzunehmen, dass der Betrieb der Wärmepumpen zurzeit noch etwa 0,4 TWh/a Erdgas indirekt über das Stromnetz benötigt, sodass die tatsächliche Verdrängung an der Landesgrenze oder den eigenen Quellen nur bei etwa 2,0 TWh/a zu verorten ist. Dieser Ansatz gehörte, allerdings bestenfalls lustlos verfolgt, auch zur spätestens im Jahr 2022 gescheiterten Gasstrategie – um die Dekarbonisierung günstig zu machen: Gas aus dem Heizungskeller in Gaskraftwerke umlenken.

Exkurs: Die Bundesregierung plant, mit der bisher nur in einem Punkt skizzierten Grüngas-Quote, einen Teil der Erdgasnutzung für die Beheizung von Wohngebäuden gegen Biomethan (andere Optionen sind bis dahin nicht verfügbar) auszutauschen. Dazu soll den Brennstoffhändlern eine bilanzielle Beimischungspflicht auferlegt werden, von zunächst bis zu 1 % ab 2028. Damit würde sie rund 2,6 TWh/a Erdgas verdrängen. Je nach Ausgestaltung könnte dies auch dazu führen, dass dezentral weniger Biogas verstromt und so mehr Erdgas zentral verstrom wird …

Minus 2 LNG-Carrier pro Jahr

Ein größeres LNG-Tankschiff transportiert etwa 1,2 TWh, womit 100.000 Wärmepumpen mehr als eine Anlandung aus dem Importbedarf nehmen. Jedes Jahr. Die bisher höchste direkte Anlandung bei den LNG-Terminals in Deutschland datiert auf März 2026 mit 14,6 TWh. Zum Vergleich: Im Durchschnitt lieferten der ersten 100 LNG-Carrier am LNG-Terminal Wilhelmshaven jeweils 1,0 TWh ab. Damit gibt es rechnerisch sogar einen Ersatz von jährlich 2 LNG-Anlandungen pro 100.000 Wärmepumpen bei einem Vollumstieg.

Minus 20+x Mio. Euro/a beim Erdgasproduzenten

2,0 TWh irgendwo gefördert und aufbereitet für fiktiv niedrig 20 Euro/MWh ergibt eine Summe von 40 Mio. Euro mit entsprechenden Gewinnmargen. Danach schlagen die Transporteure, die Terminalbetreiber für die Verflüssigung und Verladung, die Reeder, Terminalbetreiber für Anlandung, Zwischenlagerung und Regasifizierung, die Gasnetzbetreiber, Gashändler und -lieferanten ihre Leistungen mit Gewinn auf – und verlieren beides, wenn die Fracht nicht mehr benötigt wird.

Minus 96 Mio. Euro/a bei der Gaswirtschaft

Die Differenz für die das Gas nur noch bewegenden und lagernden Unternehmen bei einem Endkundenpreis von 6,8 Ct/kWh (netto, ohne Energiesteuer, CO2-Preis und Konzessionsabgabe): 96 Mio. Euro mit entsprechenden Gewinnmargen. Jedes Jahr, bei nur 100.000 Wärmepumpen statt 100.000 Gas-Heizungen.

Der Vergleich zeigt bereits bei nur einem Fünftel des Ausbauziels von 500.000 neu installierten Heizungs-Wärmepumpen pro Jahr, warum der Aufstand 2023 so groß war, warum Fakten ignoriert oder schamlos verbogen wurden. Gerne darf man dabei den Investitionsbedarf außerhalb der Heizungskeller für den Wärmepumpenhochlauf in Rechnung stellen, dann aber bitte auch als das was er ist: eine Investition in die Zukunft.

Jochen Vorländer
Chefredakteur TGA+E Fachplaner
vorlaender@tga-fachplaner.de

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